◆ Teil V · Trauma KAP. V.5
Wirbelsäule, Immobilisation & Becken
Kernbotschaft: Gezielt immobilisieren, nicht reflexhaft. Wirbelsäulenschutz nach klinischen Kriterien, schonende Technik — und die Beckenschlinge als lebensrettende Blutungskontrolle.
◎ Lernziele
- Indikation zur Wirbelsäulenimmobilisation nach klinischen Kriterien stellen.
- schonende Immobilisationstechnik anwenden (minimal handling).
- die Beckenschlinge korrekt (Höhe Trochanteren) und rechtzeitig anlegen.
1 Wann immobilisieren? — klinische Kriterien
Immobilisation erwägen bei
- Passender Unfallmechanismus + Wirbelsäulenschmerz/Druckschmerz
- Neurologisches Defizit (Sensomotorik)
- Bewusstseinsstörung/Intoxikation, ablenkende Verletzung
Prinzip (S3/PHTLS)
- Selektiv statt pauschal (NEXUS/Canadian C-Spine als Orientierung)
- Ganzkörper-/Vakuummatratze, minimal handling
- Zervikalstütze zunehmend zurückhaltend; manuelle Stabilisierung + Kopfblöcke
2 Becken — Blutungskontrolle
Beckenschlinge
- Bei V. a. instabiles Becken (Mechanismus, Schock) früh anlegen
- Höhe der Trochanteren (nicht Beckenkamm), Beine leicht innenrotiert/gebunden
- Reduziert Beckenvolumen → tamponiert venöse Blutung
Cave
- Nicht am Becken „wackeln" (Springen prüfen) — löst Gerinnsel
- Zu hoch angelegt = unwirksam
- Instabiles Becken = potenziell massive, verdeckte Blutung
3 Pitfalls, Retrieval & Take-Home
⛒
RED FLAGS
- Beckenschlinge zu hoch (am Kamm) → unwirksam
- Wiederholte Beckenkompression („Federungstest") → Blutung verstärkt
- Immobilisation bei Unruhe/Agitation erzwungen (Sekundärschaden)
✎ Recall
Wo wird die Beckenschlinge angelegt?
Auf Höhe der Trochanteren major (nicht am Beckenkamm), Beine leicht innenrotiert/fixiert.
Immobilisation — pauschal oder selektiv?
Selektiv nach klinischen Kriterien (Mechanismus, Schmerz, Defizit, Bewusstsein), schonend (minimal handling).
✔
TAKE-HOME
- Wirbelsäule gezielt immobilisieren, schonend, minimal handling.
- Beckenschlinge auf Trochanterhöhe, früh bei instabilem Becken — nicht am Becken wackeln.