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◆ Teil V · Trauma KAP. V.2

Schädel-Hirn-Trauma

Kernbotschaft: Der Primärschaden ist geschehen — verhindere den Sekundärschaden. Hypoxie und Hypotonie sind die tödlichsten Feinde des verletzten Hirns.
BTF Prehospital TBI (3rd ed.)S3 Polytrauma 2023Stand: Juli 2026

◎ Lernziele

  • den Sekundärschaden verstehen und aktiv verhindern (Oxygenierung, Blutdruck, Normokapnie).
  • Zielwerte kennen: SpO₂ ≥ 90 %, RRsys ≥ 110 mmHg, etCO₂ 35–45.
  • Einklemmungszeichen erkennen und gezielt behandeln.
  • Hyperventilation nur als kurzfristige Notfallmaßnahme einsetzen.
1 Primär- vs. Sekundärschaden

Primärschaden

  • Im Moment des Traumas entstanden — nicht mehr beeinflussbar
  • Kontusion, DAI, Blutung, Fraktur

Sekundärschaden — verhinderbar

  • Hypoxie, Hypotonie (zusammen Letalität ~44 %)
  • Hyper-/Hypokapnie, Hyperthermie, Hypoglykämie, Krampf
  • Steigender ICP → Perfusionsabfall
2 Zielwerte — die „Normo"-Regel
ParameterZielWarum
OxygenierungSpO₂ ≥ 90 % (O₂ großzügig)Hypoxie ist hochletal
BlutdruckRRsys ≥ 110 mmHgkeine Hypotonie (Perfusion sichern)
VentilationetCO₂ 35–45 mmHg (Normokapnie)Hyperventilation → Vasokonstriktion → Ischämie
Glukose / TempNormoglykämie · NormothermieSekundärschaden vermeiden
LagerungOberkörper ~30°, Kopf geradevenösen Abfluss fördern
3 Einklemmung erkennen & behandeln

Herniationszeichen

  • Anisokorie / weite, lichtstarre Pupille
  • GCS-Abfall ≥ 2, Strecksynergismen
  • Cushing-Reflex: Hypertonie + Bradykardie (+ unregelm. Atmung)

Akutmaßnahmen

  • Oxygenierung/Blutdruck optimieren, Oberkörper hoch
  • Kurzfristig moderate Hyperventilation (etCO₂ ~30–35) nur bei Einklemmung
  • Osmotherapie (hypertone NaCl / Mannitol) erwägen; rascher Transport ins Traumazentrum/Neurochirurgie

Hyperventilation — zweischneidig

  • Prophylaktische Hyperventilation schadet (zerebrale Ischämie) — nur als Rescue bei akuter Einklemmung, zeitlich begrenzt, unter etCO₂-Kontrolle.
4 Pitfalls, Retrieval & Take-Home

RED FLAGS

  • Hypoxie/Hypotonie toleriert (der eigentliche Killer beim SHT)
  • Routine-Hyperventilation → Ischämie
  • Anisokorie/Cushing-Reflex übersehen (Einklemmung)
  • Begleitverletzungen/Blutung als RR-Ursache verkannt

✎ Recall

Die zwei tödlichsten Sekundärschäden?
Hypoxie und Hypotonie — gemeinsam drastisch erhöhte Letalität. Ziel: SpO₂ ≥ 90 %, RRsys ≥ 110.
Wann Hyperventilation beim SHT?
Nur als kurzfristige Rescue-Maßnahme bei Einklemmung (etCO₂ ~30–35). Sonst Normokapnie 35–45.

TAKE-HOME

  • Sekundärschaden verhindern: SpO₂ ≥ 90 %, RRsys ≥ 110, etCO₂ 35–45, Normoglykämie/-thermie.
  • Oberkörper 30°, O₂ großzügig, rascher Transport ins geeignete Zentrum.
  • Einklemmung (Anisokorie/Cushing) → Osmotherapie + kurzfristige Hyperventilation.
Quellen & Stand: Guidelines for Prehospital Management of TBI (3rd ed., 2023); S3-Leitlinie Polytrauma 2023 (SHT-Kapitel). — Hinweis: lokale SOP & ärztliche Anordnung maßgeblich.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.