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◆ Teil VII · Spezielle Notfälle KAP. VII.4

Analgesie & Sedierung

Kernbotschaft: Schmerz messen, titrieren, überwachen. Wirkung gegen Nebenwirkung abwägen — Monitoring, Antagonisten und Atemwegsbereitschaft gehören immer dazu.
S3 Analgesie/Sedierung (DGAI/DIVI)Stand: Juli 2026

◎ Lernziele

  • Schmerz strukturiert erfassen (Skala) und titriert behandeln.
  • gängige Analgetika/Sedativa mit Dosis, Vorteil und Risiko anwenden.
  • Monitoring- und Sicherheitsstandards (Antagonisten, Atemweg) einhalten.
1 Prinzipien

Grundregeln

  • Schmerz messen (NRS 0–10), Ziel dokumentieren
  • Titrieren in kleinen Schritten, Wirkung abwarten
  • Monitoring (SpO₂, etCO₂, RR, HF), O₂, Atemwegsbereitschaft

Sicherheit

  • Antagonisten bereit: Naloxon (Opioid), Flumazenil (Benzo, zurückhaltend)
  • Dosis bei Alter/Schock/Komorbidität reduzieren
  • Nüchternheit/Aspirationsrisiko bedenken (Sedierung)
2 Substanzen — Richtdosen (Erwachsene)

Richtwerte, titrieren — immer gegen lokale SOP/ärztliche Anordnung prüfen.

Morphin Analgesie
Dosis
2–5 mg i.v., titriert
Wdh.
nach Wirkung
Cave
Atemdepression, Hypotonie, Übelkeit
Antagonist
Naloxon
Fentanyl Analgesie
Dosis
0,5–1,5 µg/kg i.v.
Vorteil
rasch, kreislaufneutral(er)
Cave
Atemdepression, Thoraxrigidität
(Es-)Ketamin Analgesie/Sedierung
Analgesie
Esketamin ~0,125–0,25 mg/kg
Sedierung
höher dosiert
Vorteil
kreislaufstabil, bronchodilat.
Cave
Dissoziation, Hypersalivation
Midazolam Sedierung/Anxiolyse
Dosis
1–2 mg i.v., titriert
Rolle
Anxiolyse, Ko-Sedierung
Cave
Atemdepression (v. a. + Opioid)
Antagonist
Flumazenil

Kombinationen

  • Opioid + Benzodiazepin potenzieren die Atemdepression → besonders vorsichtig titrieren, Monitoring intensivieren.
  • Nicht-Opioide (Metamizol, Paracetamol) und regionale/Kälte-Maßnahmen ergänzend nutzen.
3 Pitfalls, Retrieval & Take-Home

RED FLAGS

  • Kein Monitoring/keine Atemwegsbereitschaft bei Sedierung
  • Bolusgabe statt Titration (Atemdepression/Hypotonie)
  • Opioid + Benzo unbedacht kombiniert

✎ Recall

Grundprinzip der Analgesie im Einsatz?
Messen (NRS) → titrieren → überwachen. Antagonisten bereit, Dosis bei Schock/Alter reduzieren.
Vorteil von (Es-)Ketamin?
Kreislaufstabil und bronchodilatatorisch — günstig bei Schock/Trauma/Bronchospasmus.

TAKE-HOME

  • Titrieren statt Bolus, immer Monitoring + O₂ + Atemwegsbereitschaft.
  • Ketamin bei Instabilität/Trauma; Opioid + Benzo nur sehr vorsichtig.
  • Antagonisten (Naloxon/Flumazenil) griffbereit.
Quellen & Stand: S3-Leitlinie Analgesie/Sedierung (DGAI/DIVI); prähospitale Analgesie-Standards. — Hinweis: lokale SOP & ärztliche Anordnung maßgeblich; Dosierungen vor Anwendung prüfen.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.