STATUS3 Kapitel · Analgesie
Schmerzbehandlung im Rettungsdienst · Teil VII Prozeduren

Analgesie

Die Maßnahme, die am häufigsten unterlassen wird — und am seltensten schadet

Schmerz ist keine Begleiterscheinung, die man aushalten muss, bis jemand Zuständiges kommt. Er treibt Herzfrequenz und Blutdruck, verschlechtert die Atmung, macht die Untersuchung unmöglich und hinterlässt Spuren, die länger bleiben als die Verletzung. Trotzdem wird er im Rettungsdienst systematisch unterbehandelt — besonders bei alten Menschen, bei Kindern, bei Menschen, die nicht sprechen können, und bei denen, die nicht danach fragen. Das ist kein Wissensproblem. Es ist eine Frage der Haltung: Schmerz muss aktiv gesucht werden, sonst findet man ihn nicht.

fragen
Schmerz wird gesucht, nicht abgewartet
messen
Skala vor und nach der Gabe
titrieren
in Schritten bis zur Wirkung
nicht-medikamentös
Lagerung und Schienung wirken sofort
Kinder & Alte
die am stärksten unterversorgten Gruppen
Wie gut kennst du Analgesie?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Analgesie ist keine Belohnung für besonders lautes Klagen. Sie ist eine Behandlung mit körperlicher Wirkung — und sie beginnt, bevor ein Medikament im Spiel ist.

Der häufigste Fehler bei der Analgesie ist, sie zu unterlassen. Schmerz treibt Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffverbrauch, verschlechtert die Atmung und macht Untersuchung und Umlagerung unmöglich. Unbehandelter Schmerz ist kein neutraler Zustand, sondern ein schädlicher.

Was unbehandelter Schmerz anrichtet

Wer regelmäßig zu wenig bekommt

Alte Menschen. Sie klagen weniger, gelten als „stabil", und aus Sorge vor Nebenwirkungen wird zurückhaltend dosiert. Das Ergebnis ist eine systematische Unterversorgung genau bei denen, die den Schaden am schlechtesten wegstecken.

Kinder. Aus Unsicherheit über die Dosierung wird gar nichts gegeben. Dabei gibt es Wege, die auch ohne Zugang funktionieren.

Menschen mit Demenz und Kommunikationseinschränkung. Sie äußern Schmerz durch Unruhe, Abwehr, Grimassieren, Lautäußerungen — und werden dafür als schwierig statt als schmerzgeplagt behandelt.

Menschen mit Suchterkrankung. Bei ihnen wird Schmerz häufig angezweifelt. Fachlich falsch: Sie haben oft eine höhere Toleranz und brauchen mehr, nicht weniger.

Und alle, die nicht fragen. Wer nicht danach gefragt wird, sagt oft nichts — aus Bescheidenheit, aus Angst, den Betrieb aufzuhalten, oder weil er denkt, das gehöre dazu.

Was zuerst kommt — ohne Medikament

Die alten Ausreden — und warum sie nicht tragen

„Das verschleiert die Diagnose." Für das akute Abdomen wurde diese Sorge untersucht und widerlegt — eine wirksame Analgesie erschwert die Diagnosestellung nicht, sie erleichtert die Untersuchung. Beim Traumapatienten gilt dasselbe: Die Bildgebung sieht, was sie sieht.

„Er ist kreislaufinstabil." Das ist ein Grund für vorsichtige Titration und die richtige Substanzwahl, nicht für Verzicht. Schmerz treibt den Kreislauf ebenfalls.

„Er hat nicht danach gefragt." Schmerz wird aktiv erfragt. Wer wartet, bis jemand fragt, behandelt nur die Lauten.

„Bis zur Klinik hält er es aus." Das ist keine medizinische Begründung, sondern eine Zumutung — und bei Thoraxverletzungen zusätzlich schädlich.

Was du tust

Schmerz aktiv erfragen und messen — mit einer Skala, bei Kindern mit einer geeigneten Bildskala, bei nicht kommunizierenden Patienten über Verhaltensbeobachtung.

Vor der Gabe messen, nach der Gabe wieder. Ohne Ausgangswert ist die Wirkung nicht beurteilbar.

Nicht-medikamentös beginnen: Lagerung, Schienung, Ruhe, Erklärung, Kühlung.

Titrieren statt fluten. In Schritten geben und die Wirkung abwarten — die richtige Dosis ist die, die wirkt, nicht die aus der Tabelle.

Monitoring während und nach der Gabe: Atemfrequenz, Sättigung, Blutdruck, Bewusstsein. Bei Opioiden zusätzlich Kapnographie, wo verfügbar.

Wirkung dokumentieren — Skalenwert vor und nach der Gabe, mit Uhrzeit.

Übelkeit mitbedenken, sie ist eine häufige und gut behandelbare Begleiterscheinung.

Die Substanzwahl richtet sich nach Kompetenzrahmen und SOP — die Dosierungen stehen auf den geprüften Wirkstoffseiten, nicht hier.

Selbsttest Silber

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum ist unbehandelter Schmerz kein neutraler Zustand?Aufdecken
Weil er körperlich wirkt: Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffverbrauch steigen — beim Patienten mit Koronarerkrankung unmittelbar schädlich. Bei Thorax- und Bauchverletzungen führt er zu flacher Atmung und fehlendem Abhusten, also zu Minderbelüftung und Lungenentzündung. Er macht Untersuchung, Schienung und Umlagerung unmöglich, löst eine Stresshormonantwort aus und hinterlässt eine Erinnerung, die länger bleibt als die Verletzung. Analgesie ist deshalb eine Behandlung, keine Freundlichkeit.
2 Welche Patientengruppen bekommen systematisch zu wenig Schmerzmittel?Aufdecken
Alte Menschen (sie klagen weniger, und aus Sorge vor Nebenwirkungen wird zurückhaltend dosiert), Kinder (Unsicherheit über die Dosierung führt dazu, dass gar nichts gegeben wird), Menschen mit Demenz oder Kommunikationseinschränkung (sie äußern Schmerz durch Unruhe und Abwehr und gelten dann als schwierig), Menschen mit Suchterkrankung (ihr Schmerz wird angezweifelt, dabei brauchen sie durch höhere Toleranz oft mehr) — und alle, die nicht danach gefragt werden.
3 Was antwortest du auf „Analgesie verschleiert die Diagnose"?Aufdecken
Dass diese Sorge für das akute Abdomen untersucht und widerlegt wurde: Eine wirksame Analgesie erschwert die Diagnosestellung nicht, sondern erleichtert die Untersuchung — ein schmerzfreier Patient lässt sich überhaupt erst untersuchen. Beim Traumapatienten gilt dasselbe; die Bildgebung sieht, was sie sieht. Was tatsächlich gilt: Der Ausgangsbefund wird vor der Gabe erhoben und dokumentiert — dann geht keine Information verloren.
4 Welche nicht-medikamentöse Maßnahme wirkt bei Frakturen am schnellsten?Aufdecken
Die Schienung. Bewegung von Bruchenden gegeneinander ist die stärkste Schmerzquelle überhaupt — wird sie unterbunden, wirkt das oft schneller als jedes Medikament. Dazu kommen: die vom Patienten selbst gefundene Lagerung nicht ohne Grund verändern, Ruhe, Erklärung und Ankündigung dessen, was gleich passiert, sowie Kühlung bei Verbrennungen. Und der einfachste Punkt: nicht unnötig bewegen. Jede vermeidbare Umlagerung ist vermeidbarer Schmerz.
5 Warum wird der Schmerz vor UND nach der Gabe gemessen?Aufdecken
Weil die Wirkung ohne Ausgangswert nicht beurteilbar ist. Nur der Vergleich zeigt, ob die Dosis gereicht hat oder nachgelegt werden muss — und er ist die Grundlage für die Entscheidung in der Klinik. Gemessen wird mit einer Skala, bei Kindern mit einer geeigneten Bildskala, bei nicht kommunizierenden Patienten über Verhaltensbeobachtung. Beide Werte gehören mit Uhrzeit dokumentiert. Ohne sie steht in der Übergabe nur „hat Schmerzmittel bekommen" — und das sagt nichts.
Silber erreicht

Du erfragst Schmerz aktiv, misst vor und nach der Gabe, beginnst mit Lagerung und Schienung, titrierst bis zur Wirkung und denkst besonders an Alte, Kinder und nicht kommunizierende Patienten.

Stufe Gold

Der Weg

Schmerz entsteht nicht an einer Stelle, sondern durchläuft eine Kette. An jedem Glied dieser Kette lässt sich eingreifen — und deshalb wirken zwei verschiedene Substanzen oft besser als die doppelte Menge einer einzigen.

Die Kette und ihre Angriffspunkte

Warum Titration nicht Zögerlichkeit ist

Menschen unterscheiden sich erheblich darin, wie viel sie brauchen — Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, Gewöhnung, aktuelle Kreislauflage.

Eine feste Dosis nach Tabelle trifft deshalb bei vielen daneben: zu wenig bei den einen, zu viel bei den anderen.

Titration heißt: in Schritten geben, Wirkung abwarten, dann entscheiden. Sie ist kein vorsichtiges Herantasten aus Angst, sondern das genauere Verfahren.

Der häufigste Titrationsfehler ist nicht die Überdosierung, sondern das Aufhören nach dem ersten Schritt — wenn der Schmerz noch da ist, war der Schritt nicht die Dosis, sondern der Anfang.

Was man beim Opioid im Blick behalten muss

WirkungWas daraus folgt
AtemdepressionAtemfrequenz und Kapnographie überwachen — die Sättigung reagiert zu spät, besonders unter Sauerstoffgabe
Blutdruckabfallbeim volumenmangelnden Patienten vorsichtiger titrieren; Volumenstatus vorher einschätzen
Übelkeit und Erbrechenhäufig und gut behandelbar — mitbedenken, besonders beim liegenden Patienten
Bewusstseinstrübungerschwert die neurologische Beurteilung — Ausgangsbefund vorher erheben
Juckreiz, Harnverhaltunangenehm, selten bedrohlich

Der entscheidende Überwachungspunkt ist die Atemfrequenz, nicht die Sättigung. Unter Sauerstoffgabe bleibt die Sättigung lange gut, während die Atmung bereits flacher und langsamer wird. Wer nur auf die Sättigung schaut, bemerkt die Atemdepression zu spät — die Kapnographie zeigt sie früher.

Wege ohne Zugang

Selbsttest Gold

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum wirkt eine Kombination zweier Substanzen oft besser als die doppelte Dosis einer einzigen?Aufdecken
Weil Schmerz eine Kette durchläuft und verschiedene Substanzen an verschiedenen Gliedern angreifen: an der Entstehung im Gewebe, an der Weiterleitung im Nerv, an der Umschaltung im Rückenmark, an der Verarbeitung im Gehirn. Zwei Angriffspunkte gleichzeitig wirken stärker als ein Angriffspunkt doppelt — bei weniger Nebenwirkungen, weil keine Einzelsubstanz in den Bereich hoher Dosen getrieben wird.
2 Was ist der häufigste Fehler bei der Titration?Aufdecken
Nicht die Überdosierung, sondern das Aufhören nach dem ersten Schritt. Titration heißt: in Schritten geben, Wirkung abwarten, dann entscheiden. Wenn der Schmerz nach dem ersten Schritt noch da ist, war dieser Schritt nicht die Dosis, sondern der Anfang. Menschen unterscheiden sich erheblich in ihrem Bedarf — Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, Gewöhnung, Kreislauflage. Eine feste Dosis nach Tabelle trifft deshalb bei vielen daneben. Titration ist nicht Zögerlichkeit, sondern das genauere Verfahren.
3 Warum ist bei Opioiden die Atemfrequenz wichtiger als die Sättigung?Aufdecken
Weil die Sättigung unter Sauerstoffgabe lange gut bleibt, während die Atmung bereits flacher und langsamer wird. Der Sauerstoffvorrat in der Lunge überbrückt die beginnende Atemdepression — die Sättigung fällt erst, wenn er aufgebraucht ist, also spät. Atemfrequenz und Kapnographie zeigen die Entwicklung früher. Wer nur auf die Sättigung schaut, bemerkt die Atemdepression in dem Moment, in dem sie bereits ausgeprägt ist.
4 Der Zugang gelingt nicht. Bekommt der Patient trotzdem Schmerzmittel?Aufdecken
Ja — kein Zugang ist kein Grund, keine Analgesie zu geben, sondern ein Grund, einen anderen Weg zu wählen. Zur Verfügung stehen je nach SOP: der nasale Weg (besonders wertvoll bei Kindern, Aufnahme über die Nasenschleimhaut), inhalative selbstgesteuerte Verfahren (mit eingebauter Sicherung, weil der Patient aufhört, wenn er müde wird) und der orale Weg bei leichteren Schmerzen und langem Transport. Der intramuskuläre Weg ist beim Schock unzuverlässig, weil die Muskeldurchblutung reduziert ist.
5 Warum wirken Erklärung und Ruhe nicht nur psychologisch?Aufdecken
Weil das Gehirn das letzte Glied der Schmerzkette ist: Dort entsteht aus dem Signal das Erleben, und Angst, Erwartung und Aufmerksamkeit verändern dieses Erleben messbar. Ein Patient, der weiß, was gleich passiert und dem es angekündigt wird, erlebt dieselbe Maßnahme als weniger schmerzhaft. Das ist kein Ersatz für Medikamente, aber es ist auch keine Beschwichtigung — es ist ein Eingriff an einem realen Glied der Kette, und er kostet nichts.
Gold erreicht

Du kennst die Angriffspunkte im Schmerzweg, begründest Kombinationen statt Dosissteigerung, überwachst bei Opioiden die Atemfrequenz statt der Sättigung und nutzt Wege ohne Zugang.

Stufe Master

Die Haltung

Bei kaum einer Maßnahme klaffen Wissen und Handeln so weit auseinander wie bei der Analgesie. Alle wissen, dass Schmerz behandelt gehört. Behandelt wird er trotzdem zu selten.

Warum die Lücke zwischen Wissen und Handeln so groß ist

Schmerz erkennen, wenn niemand ihn benennen kann

Beim Menschen mit Demenz oder Sprachverlust: Gesichtsausdruck (Stirnrunzeln, zusammengekniffene Augen, verzogener Mund), Lautäußerungen (Stöhnen, Rufen, verändertes Atemmuster), Körperhaltung (Schonhaltung, Anspannung, Reiben einer Stelle), Verhalten (Unruhe, Abwehr beim Berühren, Rückzug, Appetitverlust).

Beim Kleinkind: Weinen, das sich nicht beruhigen lässt, Anspannung, Schonhaltung, verändertes Trinkverhalten, ungewöhnliche Stille.

Der entscheidende Satz: Ein unruhiger, abwehrender Patient ist zuerst schmerzverdächtig und erst danach schwierig.

Und die Probe aufs Exempel: Wenn Unruhe unter Analgesie nachlässt, war es Schmerz. Das ist gleichzeitig Diagnostik und Therapie.

Die Fallen

FalleWas schiefgehtGegenmittel
Nur die Lauten behandelnder stille Patient bekommt nichtsSchmerz bei jedem aktiv erfragen
Einmal geben, dann fertigder Schmerz kommt wieder, niemand schaut nachnachmessen und nachlegen
Nur nach Tabelle dosierentrifft bei vielen danebentitrieren bis zur Wirkung
Sättigung als ÜberwachungAtemdepression wird zu spät bemerktAtemfrequenz und Kapnographie
Suchtpatient bekommt wenigerfachlich falsch — Toleranz bedeutet höheren Bedarfgleiche Sorgfalt, oft höhere Dosis
Kurze Fahrt als Begründungder Schmerz hört nicht an der Klinikpforte aufin der Notaufnahme dauert es oft noch länger
Schienen ohne AnalgesieAbwehrbewegung, schlechtes ErgebnisAnalgesie vor der Maßnahme

Was in die Übergabe gehört

Was beim Lehren fehlt

Die Dosierungen werden gelehrt, die Indikationsschwelle nicht. Alle lernen, wie viel — kaum jemand lernt, wann und vor allem: dass Nichtgeben eine Entscheidung ist, die begründet werden muss.

Die nicht-medikamentösen Maßnahmen kommen zuletzt oder gar nicht vor, obwohl sie zuerst wirken und nichts kosten.

Schmerzerfassung bei nicht kommunizierenden Patienten wird selten geübt — dabei betrifft sie einen großen Teil der Einsätze im Rettungsdienst.

Und die Titration wird als Zögerlichkeit vermittelt statt als das genauere Verfahren. Wer sie so lernt, gibt zu wenig und hört zu früh auf.

Der eine Satz, der hängen bleiben muss: Schmerz wird gemessen wie Blutdruck — und was gemessen wird, wird behandelt.

Selbsttest Master

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum wird Analgesie trotz unbestrittenen Wissens so oft unterlassen?Aufdecken
Weil Unterlassen nicht auffällt: Eine nicht gegebene Analgesie erzeugt keinen Zwischenfall und keine Rückfrage, eine gegebene mit Nebenwirkung schon. Dazu kommt die fehlende Rückmeldung — niemand erfährt von der Lungenentzündung zwei Tage später —, der Aufwand bei kurzer Fahrt, die gefühlte Sicherheit des Nichtstuns und die stille Annahme, Schmerz gehöre dazu. Das Gegenmittel ist keine Ermahnung, sondern eine Gewohnheit: Schmerz bei jedem Patienten erfragen und dokumentieren, wie Blutdruck und Blutzucker. Was gemessen wird, wird behandelt.
2 Wie erkennst du Schmerz bei einem Patienten mit fortgeschrittener Demenz?Aufdecken
Über Beobachtung statt Befragung: Gesichtsausdruck (Stirnrunzeln, zusammengekniffene Augen, verzogener Mund), Lautäußerungen (Stöhnen, Rufen, verändertes Atemmuster), Körperhaltung (Schonhaltung, Anspannung, Reiben einer Stelle) und Verhalten (Unruhe, Abwehr beim Berühren, Rückzug). Der entscheidende Satz: Ein unruhiger, abwehrender Patient ist zuerst schmerzverdächtig und erst danach schwierig. Und die Probe aufs Exempel: Lässt die Unruhe unter Analgesie nach, war es Schmerz — Diagnostik und Therapie in einem.
3 Ein Patient mit bekannter Opioidabhängigkeit hat starke Schmerzen. Wie gehst du vor?Aufdecken
Mit derselben Sorgfalt wie bei jedem anderen — und der Erwartung eines höheren Bedarfs. Toleranz bedeutet, dass die gewohnte Dosis weniger wirkt, nicht dass der Schmerz weniger real ist. Bei dieser Gruppe wird Schmerz regelmäßig angezweifelt, und das ist fachlich falsch. Praktisch: titrieren wie immer, aber ohne die Erwartung, dass der erste Schritt reicht — und die übliche Überwachung von Atemfrequenz und Kapnographie beibehalten.
4 Was gehört in die Übergabe, wenn du KEINE Analgesie gegeben hast?Aufdecken
Der Grund. Diese Angabe verhindert, dass eine bewusste Entscheidung für ein Versäumnis gehalten wird — und sie macht die Entscheidung überprüfbar. Mögliche Gründe: Der Patient hat abgelehnt, die Schmerzstärke war gering, die nicht-medikamentösen Maßnahmen haben ausgereicht, es lag eine Kontraindikation vor, die Kompetenz fehlte. Dazu gehört immer der erhobene Schmerzwert — sonst ist der Verzicht nicht nachvollziehbar.
5 Was fehlt beim Lehren der Analgesie am häufigsten?Aufdecken
Die Indikationsschwelle. Alle lernen, wie viel gegeben wird — kaum jemand lernt, wann, und vor allem nicht, dass Nichtgeben eine begründungspflichtige Entscheidung ist. Dazu drei weitere Lücken: Die nicht-medikamentösen Maßnahmen kommen zuletzt oder gar nicht vor, obwohl sie zuerst wirken. Die Schmerzerfassung bei nicht kommunizierenden Patienten wird selten geübt, obwohl sie einen großen Teil der Einsätze betrifft. Und die Titration wird als Zögerlichkeit vermittelt statt als das genauere Verfahren — wer sie so lernt, gibt zu wenig und hört zu früh auf.
Master erreicht

Du machst die Schmerzerfassung zur Routine wie die Blutdruckmessung, erkennst Schmerz bei nicht kommunizierenden Patienten, behandelst Suchtpatienten mit gleicher Sorgfalt und begründest auch den Verzicht.

Wo es vorkommt

Analgesie im Einsatz

Quellen & Stand: AWMF-S3-Leitlinie Polytrauma / Schwerverletzten-Behandlung — frühzeitige und ausreichende Analgesie als Bestandteil der präklinischen Versorgung, Schmerz als Faktor für Kreislauf, Atmung und Stressantwort. AWMF-Leitlinien zur Akutschmerztherapie — Vorrang der Schmerzerfassung mit validierten Skalen, Beobachtungsverfahren bei nicht kommunizierenden Patienten, Titration statt fester Einmaldosis, multimodale Kombination verschiedener Angriffspunkte, systematische Unterversorgung bei älteren Menschen, Kindern, kognitiv eingeschränkten Patienten und Menschen mit Suchterkrankung. Untersuchungen zum akuten Abdomen haben gezeigt, dass eine wirksame Analgesie die Diagnosestellung nicht erschwert. ERC 2025 für die strukturierte Beurteilung und Überwachung. Überwachungsgrundsatz bei Opioiden: Atemfrequenz und Kapnographie zeigen eine Atemdepression früher an als die Sauerstoffsättigung, besonders unter Sauerstoffgabe. Bewusst ohne Zahlenwerte: Substanzen, Dosierungen, Applikationswege, Titrationsschritte und Grenzwerte der Überwachung sind auf dieser Seite nicht genannt; sie stehen auf den geprüften Wirkstoffseiten und in der Prüfmappe. Stand Juli 2026, nächste Prüfung Juli 2027. AT/DE: Welche Analgetika von Notfallsanitätern eigenverantwortlich gegeben werden dürfen, richtet sich nach NKV/NKI und lokaler SOP. Lern- und Lehrhilfe, kein Ersatz für ärztliche Anordnung und lokale SOP.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.