STATUS3 Kapitel · Prozeduren
Zugänge, Punktionen, Handgriffe · Teil VII Prozeduren

Prozeduren

Die Frage ist nie, ob man es kann — sondern ob es jetzt hilft

Jede invasive Maßnahme im Rettungsdienst kostet etwas: Zeit, Aufmerksamkeit, Hände. Und jede hat eine Alternative, die man vergisst, sobald man mit dem Versuch begonnen hat. Der dritte Zugangsversuch beim Kreislaufstillstand ist der bekannteste Fall — währenddessen wird nicht gedrückt, nicht nachgedacht, nicht geführt. Deshalb geht es bei Prozeduren weniger um Technik als um zwei Entscheidungen: Brauche ich das jetzt? Und ab wann höre ich auf und mache etwas anderes? Beide gehören vorher festgelegt, nicht mitten im Versuch.

2 Versuche
dann intraossär, nicht ein dritter Versuch
Abbruch
vorher festlegen, nicht mittendrin
Hände
jede Prozedur bindet welche — wer drückt?
vorbereiten
alles greifbar, bevor man beginnt
Alternative
kein Zugang heißt nicht: keine Behandlung
Wie gut kennst du Prozeduren?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Eine Prozedur ist nie neutral. Sie bindet Hände und Zeit und läuft parallel zu allem anderen. Deshalb steht am Anfang eine Entscheidung, nicht ein Handgriff.

Nach zwei erfolglosen Zugangsversuchen wird das Verfahren gewechselt, nicht wiederholt. Beim kritischen Patienten heißt das: intraossär. Ein dritter Versuch kostet Zeit, in der niemand behandelt — und er ist nicht erfolgreicher als die ersten beiden.

Die Zugangswege und wann welcher

WegWannWas zu beachten ist
Peripher venösStandard, wenn Zeit und Venen es zulassenmöglichst groß und möglichst zentral am Arm; beim Kreislaufstillstand ist das Venenbild schlecht
Intraossärkritischer Patient nach zwei erfolglosen Versuchen; sofort bei Reanimation ohne sichtbare Veneschnell, hohe Erfolgsrate; wach heißt: schmerzhaft — lokale Betäubung mitdenken
IntranasalAnalgesie und Sedierung ohne Zugang, besonders bei Kindernkein Zugang nötig; Aufnahme über die Nasenschleimhaut
Intramuskulärwenn nichts anderes geht — Adrenalin bei Anaphylaxie ist der Standardwegbeim Schock unzuverlässig, weil die Muskeldurchblutung reduziert ist
InhalativBronchospasmolyse, selbstgesteuerte Analgesiedie Selbststeuerung ist eine eingebaute Sicherung
Oralleichte bis mittlere Beschwerden, langer Transportlangsam; bei Übelkeit und Bewusstseinsstörung ungeeignet
Die Regel, die am häufigsten gebrochen wird

Zwei Versuche, dann etwas anderes. Sie gilt für den venösen Zugang wie für die Intubation — und sie wird bei beiden regelmäßig überschritten.

Warum sie so schwer einzuhalten ist: Wer mitten im Versuch steckt, hat bereits investiert. Aufzuhören fühlt sich nach Scheitern an, weitermachen nach Konsequenz. Das ist ein bekannter Denkfehler und keine Frage des Könnens.

Was während des dritten Versuchs nicht passiert: Beim Kreislaufstillstand wird nicht gedrückt oder schlechter gedrückt. Beim Schwerverletzten läuft die Zeit bis zur Klinik. Beim Atemwegspatienten fällt die Sättigung.

Das Gegenmittel ist eine vorher ausgesprochene Abbruchbedingung: „Zwei Versuche, dann intraossär." Wer sie vorher festlegt, muss sie im Moment nicht mehr entscheiden.

Der intraossäre Zugang — unterschätzt und gefürchtet

Jede Prozedur bindet Hände

In einem kleinen Team ist die entscheidende Frage nicht „kann ich das?", sondern „wer macht währenddessen das andere?"

Bei der Reanimation: Wer drückt, während jemand punktiert? Kompressionsunterbrechungen sind der teuerste Preis überhaupt.

Beim Schwerverletzten: Wer beobachtet den Atemweg, während zwei Personen am Zugang arbeiten?

Deshalb gehört vor jeder Prozedur die Ansage: was ich mache, wie lange, und wer solange was übernimmt.

Und die ehrliche Frage: Brauche ich das jetzt — oder geht es auch im Fahrzeug?

Was du tust

Vorher entscheiden, ob die Maßnahme jetzt nötig ist — und ob sie im Fahrzeug ebenso gut ginge.

Alles vorbereiten, bevor du beginnst. Material auslegen, Spülung aufziehen, Pflaster reißen. Wer mitten im Versuch etwas sucht, verliert den Zugang.

Abbruchbedingung laut aussprechen — Anzahl der Versuche und was danach kommt.

Rollen ansagen: wer macht die Prozedur, wer übernimmt solange was.

Hygienisch arbeiten, so gut es die Lage erlaubt — und dokumentieren, wenn es unter unsterilen Bedingungen erfolgen musste. Die Klinik muss das wissen.

Lage prüfen und sichern. Ein Zugang, der beim Umlagern herausrutscht, war umsonst.

Dokumentieren: Art, Ort, Uhrzeit, Anzahl der Versuche, Bedingungen, Funktion.

Und wenn es nicht klappt: die Alternative wählen, statt es besser zu versuchen. Kein Zugang heißt nicht keine Behandlung — nasal, intramuskulär, inhalativ, intraossär.

Selbsttest Silber

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum wird nach zwei erfolglosen Zugangsversuchen gewechselt statt wiederholt?Aufdecken
Weil der dritte Versuch nicht erfolgreicher ist als die ersten beiden und in der Zwischenzeit nicht behandelt wird. Beim Kreislaufstillstand wird nicht oder schlechter gedrückt, beim Schwerverletzten läuft die Zeit bis zur Klinik, beim Atemwegspatienten fällt die Sättigung. Beim kritischen Patienten heißt „etwas anderes": intraossär — schnell, hohe Erfolgsrate, alles gebbar, was auch venös gegeben werden kann. Die Abbruchbedingung wird vorher ausgesprochen, damit man sie im Moment nicht mehr entscheiden muss.
2 Was wird beim intraossären Zugang am häufigsten vergessen?Aufdecken
Die lokale Betäubung vor der ersten Gabe beim wachen Patienten. Nicht die Punktion ist das Problem, sondern die Infusion — sie ist im Knochenmark ausgesprochen schmerzhaft. Die Betäubung über den liegenden Zugang ist deshalb Standard und keine Nettigkeit. Zweiter häufiger Punkt: Volumen läuft nicht von allein, es braucht Druck. Und dritter: die Lagekontrolle — eine Fehllage außerhalb des Knochens erkennt man an der Schwellung des umgebenden Gewebes.
3 Warum ist die Frage „wer macht währenddessen das andere?" wichtiger als „kann ich das?"Aufdecken
Weil jede Prozedur Hände und Aufmerksamkeit bindet, und beides fehlt woanders. Bei der Reanimation ist die Frage: Wer drückt, während jemand punktiert? Kompressionsunterbrechungen sind der teuerste Preis überhaupt. Beim Schwerverletzten: Wer beobachtet den Atemweg, während zwei Personen am Zugang arbeiten? Deshalb gehört vor jede Prozedur die Ansage — was, wie lange, und wer übernimmt solange was. In kleinen Teams ist das keine Formalie, sondern die eigentliche Entscheidung.
4 Der Zugang gelingt nicht und ein intraossärer ist nicht möglich. Was jetzt?Aufdecken
Die Alternativen nutzen — kein Zugang heißt nicht keine Behandlung. Analgesie und Sedierung gehen nasal, besonders gut bei Kindern. Adrenalin bei Anaphylaxie ist ohnehin intramuskulär Standard. Bronchospasmolyse geht inhalativ, ebenso selbstgesteuerte Analgesie. Bei leichteren Beschwerden und langem Transport ist der orale Weg möglich. Zu beachten: Der intramuskuläre Weg ist beim Schock unzuverlässig, weil die Muskeldurchblutung reduziert ist.
5 Warum wird alles vorbereitet, bevor die Prozedur beginnt?Aufdecken
Weil man mitten im Versuch nichts suchen kann, ohne ihn zu verlieren — eine Hand hält den Zugang, die andere arbeitet, und niemand kann gleichzeitig eine Schublade durchsehen. Material auslegen, Spülung aufziehen, Pflaster reißen, Entsorgung bereitstellen: Das dauert wenige Sekunden und verhindert genau die Situation, in der ein gelungener Zugang wieder verlorengeht. Dasselbe Prinzip wie beim Atemweg — die Vorbereitung ist Teil der Prozedur, nicht ihre Vorstufe.
Silber erreicht

Du entscheidest vor jeder Prozedur, ob sie jetzt nötig ist, bereitest vollständig vor, sprichst die Abbruchbedingung aus, klärst wer solange was macht und nutzt Alternativen statt weiterer Versuche.

Stufe Gold

Der Weg ins Blut

Jeder Applikationsweg endet an derselben Stelle: im Kreislauf. Verschieden ist, wie schnell und wie zuverlässig — und beides hängt davon ab, wie gut das jeweilige Gewebe durchblutet ist.

Warum der Knochen funktioniert

Das Knochenmark ist von einem dichten Netz kleiner Gefäße durchzogen, die in den venösen Kreislauf münden. Diese Gefäße werden von der umgebenden Knochenstruktur offengehalten — sie können nicht kollabieren. Genau deshalb funktioniert der intraossäre Zugang dort, wo periphere Venen versagen: im Schock und beim Kreislaufstillstand.

Warum Medikamente beim Schock anders ankommen

Im Schock wird die Peripherie abgeklemmt, um die Mitte zu versorgen. Muskel, Unterhaut und Haut bekommen kaum noch Blut.

Folge für den intramuskulären Weg: Das Medikament liegt in einem Depot, das nicht abtransportiert wird — die Wirkung bleibt aus oder kommt verzögert. Und wenn sich der Kreislauf später erholt, wird das Depot auf einmal eingeschwemmt.

Dasselbe gilt für die subkutane Gabe und abgeschwächt für periphere Venen an kalten Extremitäten.

Die eine wichtige Ausnahme: Bei der Anaphylaxie ist die intramuskuläre Adrenalingabe der Standardweg — sie ist dort gut untersucht und die Verzögerung durch einen Zugangsversuch wäre der größere Schaden.

Der Grundsatz: Je schlechter der Kreislauf, desto zentraler muss der Weg sein.

Warum der Zugangsort zählt

OrtVorteilNachteil
Ellenbeuge, Unterarm proximalkurzer Weg zum Herzen, große Vene, hoher Flussin der Ellenbeuge abknickbar bei Beugung
Handrückenoft gut sichtbarkleines Kaliber, langer Weg, kollabiert im Schock zuerst
Fuß, UnterschenkelAusweichmöglichkeitlangsamere Anflutung, unbequem, erhöhte Komplikationsrate
Äußere Halsveneauch im Schock oft gefüllt, kurzer WegLagerung nötig, bei Halswirbelsäulenverdacht problematisch
Intraossärunabhängig vom Kreislauf, schnellbeim Wachen schmerzhaft, begrenzte Liegedauer

Die praktische Folge: Beim kritischen Patienten wird nicht die Vene gewählt, die am leichtesten zu treffen ist, sondern die, über die etwas ankommt. Ein Handrückenzugang im Schock ist ein Zugang, durch den kaum etwas fließt — und über den ein Medikament sehr spät wirkt.

Warum nachgespült wird

Selbsttest Gold

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum funktioniert der intraossäre Zugang auch dann, wenn periphere Venen versagen?Aufdecken
Weil die Gefäße im Knochenmark von der Knochenstruktur offengehalten werden — sie können nicht kollabieren. Im Schock und beim Kreislaufstillstand fallen periphere Venen zusammen, das Markraumnetz bleibt offen und mündet weiterhin in den venösen Kreislauf. Daraus folgt zugleich der Schmerz bei der Infusion: Der eingespritzte Inhalt dehnt einen nicht nachgiebigen Raum. Nicht die Punktion tut weh, sondern die Gabe.
2 Warum ist die intramuskuläre Gabe beim Schock unzuverlässig — und was ist die Ausnahme?Aufdecken
Weil im Schock die Peripherie abgeklemmt wird: Muskel, Unterhaut und Haut bekommen kaum noch Blut. Das Medikament liegt in einem Depot, das nicht abtransportiert wird — die Wirkung bleibt aus oder kommt verzögert, und bei Erholung des Kreislaufs wird das Depot auf einmal eingeschwemmt. Die Ausnahme ist die Anaphylaxie: Dort ist die intramuskuläre Adrenalingabe der Standardweg, weil sie gut untersucht ist und die Verzögerung durch einen Zugangsversuch der größere Schaden wäre. Grundsatz: Je schlechter der Kreislauf, desto zentraler der Weg.
3 Warum ist ein Handrückenzugang beim Schockpatienten problematisch?Aufdecken
Weil er das kleinste Kaliber und den längsten Weg hat und die peripheren Venen im Schock zuerst kollabieren. Ein Zugang, durch den kaum etwas fließt, ist rechnerisch vorhanden und praktisch wenig wert — Volumen läuft langsam, Medikamente wirken spät. Beim kritischen Patienten wird deshalb nicht die Vene gewählt, die am leichtesten zu treffen ist, sondern die, über die tatsächlich etwas ankommt: möglichst groß und möglichst nah am Rumpf.
4 Warum wird nach jeder Medikamentengabe nachgespült — und bei der Reanimation zusätzlich der Arm angehoben?Aufdecken
Weil zwischen Einspritzstelle und Herz ein Volumen liegt, das das Medikament erst durchlaufen muss. Ohne Nachspülen bleibt ein Teil in Schlauch und Vene liegen. Bei der Reanimation ist das besonders bedeutsam, weil der Kreislauf allein durch die Kompressionen erzeugt wird und der Fluss gering ist — dort kann ein Medikament ohne Spülung sehr lange brauchen. Das Anheben des Arms nutzt die Schwerkraft und beschleunigt den Rücktransport zusätzlich.
5 Warum braucht Volumen über den intraossären Zugang Druck?Aufdecken
Weil der Markraum dem Einströmen einen Widerstand entgegensetzt — anders als eine Vene, in die eine Infusion durch Schwerkraft hineinläuft. Ohne Druckbeutel oder manuelle Applikation tropft es kaum. Das führt regelmäßig zu der falschen Annahme, der Zugang funktioniere nicht. Vor dieser Schlussfolgerung wird die Lage geprüft: stabiler Sitz, Fluss unter Druck, keine Schwellung des umgebenden Gewebes — Letztere ist das Zeichen einer Fehllage.
Gold erreicht

Du erklärst den intraossären Zugang über die nicht kollabierenden Markraumgefäße, kennst die Grenzen des intramuskulären Wegs im Schock samt Ausnahme, wählst den Zugangsort nach Fluss und spülst nach.

Stufe Master

Der begonnene Versuch

Das größte Risiko einer Prozedur ist nicht die Technik. Es ist der Sog des begonnenen Versuchs — und der wirkt auf Erfahrene genauso wie auf Anfänger.

Warum Aufhören so schwer ist

Der Satz vor der Prozedur

„Ich mache zwei Versuche am Arm. Wenn es nicht klappt, gehe ich intraossär. Du zählst mit und sagst mir, wenn zwei durch sind. Du übernimmst solange die Kompressionen."

Vier Sätze, zehn Sekunden. Sie legen fest: was, wie lange, wer zählt, wer übernimmt.

Der wichtigste Teil ist der dritte: Wer zählt, macht den Abbruch zu einer Ansage statt zu einem Eingeständnis.

In Teams mit ausgeprägter Hierarchie ist das der Punkt, an dem am häufigsten geschwiegen wird — deshalb muss der Auftrag ausdrücklich vergeben werden.

Die Fallen

FalleWas schiefgehtGegenmittel
Der dritte VersuchZeit, in der niemand behandeltAbbruchbedingung vorher aussprechen
Prozedur am Einsatzort statt im Fahrzeugverlorene Minuten beim zeitkritischen PatientenFrage: Geht das auch unterwegs?
Nicht vorbereitet begonnenZugang geht beim Suchen verlorenalles auslegen, bevor man beginnt
Intraossär beim Wachen ohne Betäubungstarke Schmerzen, Vertrauensverlust, Abwehrlokale Betäubung vor der ersten Gabe
Zugang nicht gesichertgeht beim Umlagern verlorensichern und nach jeder Umlagerung prüfen
Unsteril gearbeitet, nicht dokumentiertdie Klinik weiß nicht, dass gewechselt werden mussBedingungen dokumentieren
Niemand hält den Überblickalle schauen auf die NadelRollen vor der Prozedur ansagen

Was in die Übergabe gehört

Was beim Lehren fehlt

Geübt wird die Technik, nicht die Entscheidung. Am Modell gelingt der Zugang; im Einsatz ist die Frage, ob man ihn jetzt braucht und wann man aufhört. Beides wird selten geübt.

Der Abbruch wird nie trainiert. Dabei ist er die schwerere Leistung — und trainierbar: Man kann Szenarien so bauen, dass der Zugang nicht gelingt, und bewerten, wie schnell gewechselt wird.

Der intraossäre Zugang wird als Notlösung gelehrt statt als gleichwertige Alternative beim kritischen Patienten. Deshalb kommt er zu spät.

Die Betäubung beim wachen intraossären Patienten fehlt in vielen Kursen ganz.

Und der Satz, der hängen bleiben muss: Eine Prozedur ist kein Ziel. Sie ist ein Weg zu einer Behandlung — und wenn der Weg nicht funktioniert, nimmt man einen anderen.

Selbsttest Master

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum fällt es so schwer, einen begonnenen Versuch abzubrechen?Aufdecken
Weil Investiertes gefühlt mitzählt: Wer zwei Versuche gemacht hat, empfindet den Abbruch als Verlust dieser Versuche — obwohl sie ohnehin verloren sind. Dazu kommt, dass der nächste Versuch immer wie der wirkt, der klappt („Jetzt sehe ich sie" ist eine Empfindung, kein Befund), dass sich die Aufmerksamkeit während des Punktierens verengt, und dass Zuschauer den Druck erhöhen. Das ist ein bekannter Denkfehler, keine Charakterfrage — und deshalb hilft dagegen nur eine vorher gesetzte Grenze.
2 Welche vier Dinge legt der Satz vor einer Prozedur fest?Aufdecken
Was gemacht wird, wie lange (Anzahl der Versuche), wer mitzählt und wer solange übernimmt. Zum Beispiel: „Ich mache zwei Versuche am Arm, dann gehe ich intraossär. Du zählst mit und sagst mir, wenn zwei durch sind. Du übernimmst solange die Kompressionen." Zehn Sekunden. Der wichtigste Teil ist der Zähler — er macht den Abbruch zu einer Ansage statt zu einem Eingeständnis. In hierarchischen Teams muss dieser Auftrag ausdrücklich vergeben werden, sonst schweigt die Person.
3 Warum ist die Uhrzeit eines intraossären Zugangs keine Formalie?Aufdecken
Weil er eine begrenzte Liegedauer hat — die Klinik muss wissen, wann er gesetzt wurde, um zu entscheiden, wann er ersetzt werden muss. Ebenso gehören in die Übergabe: Anzahl und Orte der Versuche (mehrfach punktierte Stellen sind für spätere Versuche unbrauchbar), die Bedingungen (unsteril, im Fahrzeug, unter laufender Reanimation — danach richtet sich der Wechsel), und ob der Zugang funktioniert — frei laufend, nur unter Druck, paravasal verdächtig.
4 Warum kommt der intraossäre Zugang in der Praxis zu spät?Aufdecken
Weil er als Notlösung gelehrt wird statt als gleichwertige Alternative beim kritischen Patienten. Wer ihn als letztes Mittel im Kopf hat, versucht vorher zu viel anderes. Fachlich ist er beim Kreislaufstillstand und beim schweren Schock oft der schnellere Weg: hohe Erfolgsrate, unabhängig vom Kreislauf, alles gebbar, was auch venös geht. Dazu kommt eine zweite Lehrlücke: Die lokale Betäubung beim wachen Patienten fehlt in vielen Kursen ganz — und wird dann auch im Einsatz vergessen.
5 Wie trainiert man den Abbruch einer Prozedur?Aufdecken
Indem man Szenarien so baut, dass der Zugang nicht gelingt — und bewertet, wie schnell auf die Alternative gewechselt wird. Am Modell gelingt sonst immer alles, und geübt wird nur die Technik. Was fehlt, ist die Entscheidung: Brauche ich das jetzt? Wann höre ich auf? Beides ist trainierbar und wird selten trainiert. Der Satz, der hängen bleiben muss: Eine Prozedur ist kein Ziel, sondern ein Weg zu einer Behandlung — funktioniert der Weg nicht, nimmt man einen anderen.
Master erreicht

Du kennst den Sog des begonnenen Versuchs, sprichst Abbruchbedingung und Rollen vorher aus, setzt den intraossären Zugang früh statt zuletzt und dokumentierst Versuche, Orte und Bedingungen.

Wo es vorkommt

Prozeduren im Einsatz

Quellen & Stand: ERC 2025 — intraossärer Zugang als gleichwertige Alternative, wenn ein periphervenöser Zugang nicht rasch gelingt; Vermeidung von Unterbrechungen der Thoraxkompressionen durch parallel laufende Maßnahmen; Nachspülen nach Medikamentengabe und Anheben der Extremität zur Beschleunigung des Rücktransports während der Reanimation. AWMF-S3-Leitlinie Polytrauma — Abwägung invasiver Maßnahmen gegen die Zeit bis zur definitiven Versorgung. Anaphylaxie-Empfehlungen — intramuskuläre Adrenalingabe als Standardweg, da die Verzögerung durch einen Zugangsversuch schwerer wiegt. Physiologische Grundlage: nicht kollabierbare Gefäße des Knochenmarks durch die umgebende Knochenstruktur; Schmerz bei intraossärer Infusion durch Dehnung des nicht nachgiebigen Markraums; reduzierte Resorption aus Muskel und Unterhaut bei Zentralisation im Schock. Bewusst ohne Zahlenwerte: Spülvolumina, Punktionsorte je Altersgruppe, maximale Liegedauer intraossärer Zugänge, Kanülengrößen und Flussraten sind auf dieser Seite nicht genannt; sie sind systemspezifisch und stehen in der Prüfmappe. Stand Juli 2026, nächste Prüfung Juli 2027. AT/DE: Welche invasiven Maßnahmen von Notfallsanitätern durchgeführt werden dürfen, richtet sich nach NKV/NKI und lokaler SOP. Lern- und Lehrhilfe, kein Ersatz für Geräteeinweisung, ärztliche Anordnung und lokale SOP.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.