STATUS3 Medikament · Metoprolol
Kardioselektiver β₁-Blocker · Klasse II nach Vaughan-Williams

Metoprolol

Beloc · Ampulle 5 mg / 5 ml

Selektive β₁-Blockade am Herzen senkt cAMP — die Depolarisation an Sinus- und AV-Knoten wird flacher. Folge: weniger Frequenz, weniger Kraft, langsamere Überleitung und dadurch ein geringerer Sauerstoffverbrauch des Myokards. Ein Rezeptor, vier Bremsen.

1 mg/ml
Konzentration
2,5–5 mg
Einzeldosis i.v.
15 mg
Übliches Maximum
1–2 min
Wirkeintritt
AML I
Ampullarium AT
Wie gut kennst du Metoprolol?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Alles, was du brauchst, um Metoprolol sicher zu geben — ohne Erklärung, ohne Umweg.

Anwendung

Handelsname AT
Beloc
Ampulle
5 mg / 5 ml = 1 mg/ml
Dosis i.v.
2,5–5 mg langsam über ~2 min
Wiederholung
alle 5 min titrierend
Übliches Maximum
~15 mg
Wirkeintritt
1–2 min · Maximum ~20 min
Halbwertszeit
3–4 h (Tartrat)
Kontrolle
EKG und Blutdruck, durchgehend
Antidot
Glukagon

Wofür

Nicht geben bei

Akuter Herzinsuffizienz oder kardiogenem Schock · AV-Block II°–III° ohne Schrittmacher · Bradykardie unter 60/min · Blutdruck systolisch unter 90–100 mmHg · schwerem Asthma (relativ, dosisabhängig) · unbehandeltem Phäochromozytom · präexzitiertem Vorhofflimmern (WPW) · Kokainintoxikation.

Praxis · langsam titrieren

In 2,5-mg-Schritten geben und nach jedem Schritt auf Monitor und Blutdruck schauen. Der häufigste Fehler ist der zu zügige Bolus beim grenzwertig stabilen Patienten — dann kommen Hypotonie und Bradykardie zusammen. Der Effekt baut sich über Minuten auf.

Selbsttest Silber

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Erst denken, dann aufklappen. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Wie viel Metoprolol gibst du als Einzeldosis, wie schnell, und wie oft darfst du wiederholen? Aufdecken
2,5–5 mg i.v. langsam über etwa 2 Minuten, Wiederholung alle 5 Minuten titrierend bis zum Frequenzziel oder zur Blutdruckgrenze. Übliches Maximum rund 15 mg.
2 Nenne vier Zustände, bei denen du Metoprolol nicht geben darfst. Aufdecken
Akute Herzinsuffizienz oder kardiogener Schock · AV-Block II°–III° ohne Schrittmacher · Bradykardie unter 60/min oder Hypotonie · präexzitiertes Vorhofflimmern. Dazu Kokainintoxikation und unbehandeltes Phäochromozytom.
3 Der Patient wird nach der Gabe bradykard und hypoton. Was ist das Antidot? Aufdecken
Glukagon ist Mittel der Wahl — es umgeht den blockierten β-Rezeptor und hebt cAMP direkt an. Ergänzend Atropin, Katecholamine, notfalls Pacing.
Silber erreicht

Du kannst Metoprolol sicher geben. Die nächste Stufe erklärt, warum es wirkt — und warum es bei Präexzitation gefährlich wird.

Stufe Gold

Warum es wirkt

Der Mechanismus, alle Indikationen, die Fallstricke und die Frage, wann du etwas anderes nimmst.

Der Mechanismus in vier Sätzen

Das Herz steht unter dem Antrieb des Sympathikus. Adrenalin und Noradrenalin binden am β₁-Rezeptor, der über das stimulatorische G-Protein die Adenylatzyklase aktiviert — aus ATP entsteht cAMP, cAMP aktiviert die Proteinkinase A, und diese öffnet die Kalziumkanäle und die Schrittmacherkanäle weiter.

Metoprolol besetzt den β₁-Rezeptor kompetitiv und nimmt dem Sympathikus den Angriffspunkt. Weniger cAMP heißt weniger Kalziumeinstrom und eine flachere Schrittmacher-Depolarisation.

Merke · vier Bremsen aus einem Mechanismus

Am Sinusknoten flachere Phase-4-Depolarisation → negativ chronotrop, die Frequenz sinkt. Am AV-Knoten langsamere Leitung und längere Refraktärzeit → negativ dromotrop, die Überleitung wird gebremst. Am Arbeitsmyokard weniger Kalzium → negativ inotrop, die Kraft sinkt. Und über allem negativ bathmotrop → die Erregbarkeit sinkt, das wirkt antiarrhythmisch.

Warum es klinisch zählt

Bei Vorhofflimmern mit schneller Überleitung ist nicht der Rhythmus das akute Problem, sondern die hohe Kammerfrequenz. Sie verkürzt die diastolische Füllungszeit und damit auch die Koronarperfusion, während der Sauerstoffverbrauch steigt. Genau diese Schere schließt Metoprolol: Es senkt die Kammerfrequenz über die AV-Bremsung, ohne den Vorhof zu konvertieren.

Beim akuten Koronarsyndrom wirkt derselbe Mechanismus als Sauerstoffersparnis. Die ESC-Leitlinie 2023 führt die frühe intravenöse β-Blockade als Klasse-IIa-Empfehlung — erwägbar, nicht zwingend, und nur beim stabilen Patienten ohne Zeichen der Herzinsuffizienz.

Kardioselektiv — und wo die Selektivität endet

Metoprolol bevorzugt β₁ gegenüber β₂ etwa im Verhältnis 20 zu 1. Das ist eine Bevorzugung, keine Absolutheit. Mit steigender Dosis werden zunehmend auch β₂-Rezeptoren besetzt — an den Bronchien mit Bronchokonstriktion, an den peripheren Gefäßen mit Kältegefühl.

Deshalb ist Metoprolol beim leichten Asthmatiker vorsichtig einsetzbar, während ein nichtselektiver Betablocker dort strenger kontraindiziert wäre. Selektivität ist dosisabhängig — dieser eine Satz erklärt die halbe Nebenwirkungsliste.

Red Flag · kein Betablocker bei Kokain

Bei Intoxikation mit Sympathomimetika führt die β-Blockade zur ungehemmten α-Stimulation — Koronarspasmus und Blutdruckkrise. Das Phänomen heißt „unopposed alpha". Dasselbe gilt beim unbehandelten Phäochromozytom. Hier zuerst Benzodiazepine und Vasodilatatoren, kein reiner Betablocker.

Cave · nicht mit Verapamil oder Diltiazem kombinieren

Beide bremsen AV-Knoten und Inotropie. Intravenös kombiniert drohen schwere Bradykardie, AV-Block bis zur Asystolie und kardiogener Schock. Entscheide dich für eine Substanzklasse.

Wann etwas anderes

SubstanzMechanismusStärke und Nische
Metoprololβ₁-BlockadeFrequenzkontrolle plus Sauerstoffersparnis — ideal bei ACS-nahem Vorhofflimmern
Diltiazem · VerapamilKalziumkanalblockadeFrequenzkontrolle bei Betablocker-Kontraindikation, etwa Asthma. Nicht bei reduzierter Pumpfunktion, nie kombiniert
Digoxinvagoton, bremst AV-Leitungbei Hypotonie oder Herzinsuffizienz. Langsamer Wirkeintritt, versagt bei hohem Sympathikotonus
AdenosinA₁ → kurzer AV-Blockterminiert AV-Knoten-Reentry. Nicht zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern
AmiodaronKlasse IIIwenn Frequenzkontrolle und Rhythmusoption zugleich gebraucht werden, bei struktureller Herzkrankheit

Nebenwirkungen sind der Mechanismus — nur zu viel

Bradykardie und AV-Block sind zu viel negative Chrono- und Dromotropie. Hypotonie und die Verschlechterung einer akuten Herzinsuffizienz sind zu viel negative Inotropie. Bronchospasmus ist verlorene Selektivität. Wer den Mechanismus verstanden hat, muss die Liste nicht auswendig lernen.

Eine Besonderheit beim Diabetiker: Metoprolol maskiert die adrenergen Warnzeichen der Hypoglykämie — Tremor und Tachykardie fallen weg. Das Schwitzen bleibt, weil es cholinerg vermittelt ist. Ein hypoglykämer Patient unter Betablocker schwitzt also, ohne zu zittern.

Selbsttest Gold

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Jetzt geht es nicht mehr um Zahlen, sondern um Begründungen.

1 Erkläre in einer Kette, wie aus der β₁-Blockade eine niedrigere Herzfrequenz wird. Aufdecken
β₁ blockiert → Adenylatzyklase gebremst → cAMP sinkt → Proteinkinase A weniger aktiv → weniger Kalziumeinstrom und flachere Phase-4-Depolarisation am Sinusknoten → der Schwellenwert wird später erreicht → die Frequenz sinkt.
2 Warum ist Metoprolol beim Asthmatiker nicht absolut verboten — und wann wird es doch gefährlich? Aufdecken
Weil die Selektivität für β₁ etwa 20 zu 1 beträgt, also β₂ an den Bronchien weitgehend verschont bleibt. Aber die Selektivität ist dosisabhängig — bei hoher Dosis werden auch β₂-Rezeptoren besetzt, und dann droht Bronchokonstriktion.
3 Ein Patient mit Thoraxschmerz nach Kokainkonsum ist tachykard und hyperton. Warum kein Metoprolol? Aufdecken
Unopposed alpha. Kokain stimuliert α- und β-Rezeptoren. Blockierst du nur β, bleibt die α-vermittelte Vasokonstriktion ungebremst übrig → Koronarspasmus und Blutdruckkrise. Richtig sind zuerst Benzodiazepine und Vasodilatatoren.
4 Wann nimmst du statt Metoprolol lieber Diltiazem — und was darfst du dabei nie tun? Aufdecken
Bei Betablocker-Kontraindikation, klassisch beim Asthmatiker. Nicht bei reduzierter Pumpfunktion. Und niemals beides intravenös kombinieren — doppelte AV-Bremsung und doppelt negative Inotropie führen zu Asystolie und kardiogenem Schock.
Gold erreicht

Du kannst deine Entscheidung begründen. Die Master-Stufe geht an die Stellen, an denen die Regel bricht — Pharmakokinetik, Metabolisierung und der Unterschied zwischen den beiden Metoprolol-Salzen.

Stufe Master

Bis auf den Rezeptor

Was du wissen musst, um es zu unterrichten — und um zu erkennen, wann der Standardweg nicht greift.

Pharmakokinetik — und warum sie das Vorgehen bestimmt

Der intravenöse Effekt setzt nach 1 bis 2 Minuten ein, das Maximum liegt bei etwa 20 Minuten. Genau daraus folgt das titrierende Vorgehen: Wer nach 30 Sekunden nachlegt, weil „noch nichts passiert", überdosiert — die Wirkung des ersten Bolus steht noch aus.

Die Halbwertszeit des Tartrats beträgt 3 bis 4 Stunden. Metoprolol ist mäßig lipophil und wird überwiegend hepatisch über CYP2D6 metabolisiert. Bei langsamen Metabolisierern oder starker Komedikation kann die Wirkung deutlich verstärkt und verlängert sein. Die Metaboliten werden renal eliminiert. Die Lipophilie erklärt nebenbei die zentralnervösen Effekte der Dauertherapie — Müdigkeit und Albträume.

Merke · Tartrat ist nicht Succinat

Im Ampullarium liegt Metoprololtartrat — kurz wirksam, die intravenöse Notfallform. Die Dauertherapie deines Patienten ist dagegen meist Metoprololsuccinat, retardiert. Verwechsle die Formen bei der Anamnese nicht: Aus „nimmt Metoprolol" folgt nicht, dass er heute schon einen wirksamen Spiegel hat.

Der β₁-Rezeptor im Detail

Der β₁-Adrenozeptor ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor. Bindet ein Katecholamin, wechselt das stimulatorische G-Protein (Gs) in die aktive Form und aktiviert die Adenylatzyklase. Diese wandelt ATP in cAMP um, den zweiten Botenstoff. cAMP aktiviert die Proteinkinase A, die anschließend die spannungsabhängigen L-Typ-Kalziumkanäle und die Schrittmacherkanäle phosphoryliert.

Das Ergebnis ist der klassische Sympathikuseffekt: schneller schlagen, kräftiger schlagen, schneller überleiten. Metoprolol setzt am Anfang dieser Kette an — kompetitiv, also durch hohe Katecholaminspiegel überwindbar. Das erklärt, warum ein Betablocker beim massiv sympathikoton getriebenen Patienten weniger ausrichtet als erwartet.

Ein Rezeptor, vier Bremsen — Frequenz, Kraft, Überleitung, Erregbarkeit.
Der Betablocker senkt die Frequenz, terminiert aber keinen Rhythmus.

Die fünf Kernsätze

Merksatz für den Unterricht

„Die Bremse der β₁ ist erwünscht — die Bremse der β₂ ist die Nebenwirkung."

Selbsttest Master

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Die Fragen, bei denen sich zeigt, ob du es wirklich durchdrungen hast.

1 Warum darfst du nach 30 Sekunden nicht nachlegen, obwohl „noch nichts passiert"? Aufdecken
Weil der Wirkbeginn zwar nach 1 bis 2 Minuten einsetzt, das Maximum aber erst nach etwa 20 Minuten erreicht ist. Wer früh nachlegt, addiert Dosen, deren Wirkung noch aussteht — die Summe trifft den Patienten verzögert und gemeinsam.
2 Der Patient sagt, er nehme Metoprolol. Warum hilft dir das für die Akutsituation kaum weiter? Aufdecken
Weil die Dauertherapie meist Metoprololsuccinat ist — retardiert, mit anderem Spiegelverlauf als das Tartrat aus deiner Ampulle. Aus der Aussage folgt weder ein bestimmter Wirkspiegel noch eine verlässliche Aussage über die aktuelle β-Blockade.
3 Warum wirkt Glukagon, obwohl der β-Rezeptor blockiert ist? Aufdecken
Weil Glukagon einen eigenen Rezeptor hat, der ebenfalls über Gs die Adenylatzyklase aktiviert. Es hebt cAMP damit am blockierten β-Rezeptor vorbei an — und stellt genau den Botenstoff wieder her, den die β-Blockade weggenommen hat.
4 Ein Diabetiker unter Betablocker wird hypoglykäm. Welches Warnzeichen bleibt — und warum? Aufdecken
Das Schwitzen. Tremor und Tachykardie sind adrenerg über β-Rezeptoren vermittelt und fallen unter Blockade weg. Die Schweißsekretion läuft dagegen cholinerg über sympathische Fasern mit Acetylcholin als Überträger — sie wird vom Betablocker nicht erfasst. Der Patient schwitzt also, ohne zu zittern.
Master erreicht

Du kennst Metoprolol bis auf den Rezeptor. Schau in ein paar Wochen wieder her — Erinnern verblasst, und genau dafür sind die Fragen da.

Wo es vorkommt

Metoprolol im Einsatz

Quellen & Stand: ERC Guidelines 2025 (Peri-Arrest-Tachykardie-Algorithmus) · ESC-Leitlinie Akutes Koronarsyndrom 2023 (frühe i.v.-β-Blockade, Klasse IIa) · ESC-Leitlinie Vorhofflimmern 2024 (Frequenzkontrolle, AF-CARE) · ÖRK-Arzneimittelliste I/II und PAX-Kompendium (Beloc 5 mg/5 ml). Region Österreich. Geprüft Juli 2026.

Lern- und Lehrhilfe — kein Ersatz für lokale SOP, Fachinformation und individuelle ärztliche Entscheidung. Dosierungen vor Anwendung prüfen.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.