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◆ Teil III · Kardiozirkulatorisch KAP. III.4

Peri-Arrest-Arrhythmien

Kernbotschaft: Zuerst der Patient, dann der Rhythmus. Instabil? → sofort handeln (Pacing bzw. synchronisierte Kardioversion). Stabil? → Zeit für Diagnostik.
ERC Guidelines 2025ESC (SVT/VA)Stand: Juli 2026

◎ Lernziele

  • anhand der vier Instabilitätskriterien sofort über „stabil vs. instabil" entscheiden.
  • den Bradykardie- und den Tachykardie-Algorithmus samt Dosierungen anwenden.
  • Schmal- vs. Breitkomplex und regelmäßig vs. unregelmäßig einordnen und Torsade erkennen & behandeln.
4 Instabilitätskriterien
Schock · Synkope · Myokardischämie · Herzinsuffizienz. Mindestens eines vorhanden → der Patient ist instabil, Rhythmus muss sofort terminiert werden. Immer parallel: ABCDE, O₂ bei Hypoxie, i.v.-Zugang, 12-Kanal-EKG, reversible Ursachen.
1 Bradykardie — Algorithmus
Bradykardie (< 50/min) · ABCDE · O₂ · i.v. · 12-Kanal-EKG
Instabilitätskriterium vorhanden?
JA · instabil
Atropin 500 µg → max. 3 mg
NEIN · stabil
Beobachten · Risiko prüfen
Ansprechen / ausreichend?
Nein → transkutanes Pacing · Isoprenalin/Adrenalin-Infusion · Expertenhilfe (transvenöses Pacing)

Cave Atropin

  • Kein Atropin bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS — unwirksam, kann Block verschlechtern → direkt Pacing/Katecholamine.
  • Bei β-Blocker-/Kalziumantagonist-Intoxikation: Glukagon bzw. Kalzium erwägen.

Asystolie-Risiko — auch bei (noch) stabilem Patienten behandeln

  • kürzliche Asystolie · Mobitz II · AV-Block III° (v. a. breiter QRS) · ventrikuläre Pause > 3 s
2 Tachykardie — instabil zuerst

Instabil (Schock/Synkope/Ischämie/Herzinsuffizienz)?

Synchronisierte DC-Kardioversion (biphasisch, eskalierend) unter Analgosedierung — bis zu 3 Versuche. Erfolglos → Amiodaron 300 mg i.v. über 10–20 min, dann erneute Kardioversion; anschließend Amiodaron 900 mg / 24 h.

3 Stabile Tachykardie — QRS entscheidet

Wie bei „schockbar / nicht-schockbar" trennt ein Kriterium die Wege: die QRS-Breite (Grenze 0,12 s).

SCHMAL · QRS < 0,12 s
meist supraventrikulär
Regelmäßig: Vagusmanöver → Adenosin 6 → 12 → 18 mg rasch i.v. + Flush
Kein Erfolg / Vorhofflattern → Frequenzkontrolle (β-Blocker)
Unregelmäßig: meist Vorhofflimmern → Frequenzkontrolle (β-Blocker / Diltiazem)
Onset < 48 h → Kardioversion erwägen · Antikoagulation bedenken
BREIT · QRS ≥ 0,12 s
bis zum Beweis VT
Regelmäßig: am ehesten VTAmiodaron 300 mg i.v. über 20–60 min
Gesicherte SVT + Schenkelblock → wie schmal-regelmäßig
Unregelmäßig: Expertenhilfe — VHF+Schenkelblock, präexzitiertes VHF, polymorphe VT
Präexzitiertes VHF: keine AV-Knoten-Blocker (Adenosin/β-Blocker/Verapamil/Digoxin)
▲ Breit + regelmäßig = VT behandeln · Breit + unregelmäßig = Expertenhilfe (Torsade denken) ▲
4 Torsade de pointes — polymorphe VT

Erkennen & sofort behandeln

Spindelförmig um die Grundlinie „tanzende" breite QRS bei verlängertem QT. Kann in Kammerflimmern übergehen — bei Pulslosigkeit sofort Defibrillation + ALS.

Magnesium 2 g i.v. über 10 minQT-verlängernde Medikamente stoppenK⁺ & Mg²⁺ korrigieren

Rezidivierend / bradykardieabhängig → Overdrive-Pacing oder Isoprenalin (Frequenz anheben).

5 Dosierungen

Erwachsene. Immer gegen ERC 2025 / lokale SOP prüfen.

Atropin Bradykardie
Einzeldosis
500 µg i.v.
Wiederholung
alle 3–5 min
Maximum
3 mg gesamt
Nicht bei
AV-Block III° + breiter QRS
Adenosin schmal · regelm.
Schema
6 → 12 → 18 mg
Gabe
rasch i.v. + NaCl-Flush
Warnung
kurze Asystolie, Flush
Cave
Asthma · präexzit. VHF
Amiodaron breit · VT
Bolus
300 mg i.v.
Infusionszeit
20–60 min (stabil)
Erhaltung
900 mg / 24 h
Weg
möglichst ZVK/groß
Magnesiumsulfat Torsade
Dosis
2 g (8 mmol)
Infusionszeit
über 10 min i.v.
Indikation
Torsade / polymorphe VT
Plus
Elektrolyte korrigieren
6 Pitfalls, Retrieval & Take-Home

PITFALLS

  • Atropin bei AV-Block III° mit breitem QRS — unwirksam, verschlimmert ggf.
  • AV-Knoten-Blocker (Adenosin/Verapamil) bei präexzitiertem VHF — gefährlich
  • Adenosin ohne raschen Flush → wirkt nicht (extrem kurze HWZ)
  • Instabile Tachykardie medikamentös „probieren" statt zu kardiovertieren
  • Torsade: QT-verlängernde Medikamente übersehen / Elektrolyte nicht korrigiert

✎ Recall

Welche vier Kriterien machen einen Patienten „instabil"?
Schock, Synkope, Myokardischämie, Herzinsuffizienz — eines genügt → sofortige Terminierung (Pacing bzw. synchronisierte Kardioversion).
Stabile Breitkomplex-Tachykardie, regelmäßig — was?
Als VT behandeln → Amiodaron 300 mg i.v. über 20–60 min.
Erstlinientherapie bei Torsade de pointes?
Magnesium 2 g i.v. über 10 min, QT-verlängernde Medikamente stoppen, K⁺/Mg²⁺ korrigieren.
Adenosin-Schema bei schmaler, regelmäßiger SVT?
6 → 12 → 18 mg rasch i.v. mit Flush, nach Vagusmanövern.

TAKE-HOME

  • Instabil → Brady: Pacing-Weg · Tachy: synchronisierte Kardioversion. Nicht lange zögern.
  • Stabil → Zeit für 12-Kanal-EKG. Tachy: QRS-Breite teilt schmal/breit.
  • Atropin 500 µg (max 3 mg) — nicht bei AV-III° mit breitem QRS.
  • Torsade = Magnesium 2 g + Elektrolyte + QT-Trigger stoppen.
Quellen & Stand: ERC Guidelines 2025 — Adult Advanced Life Support (Peri-arrest arrhythmias); ESC-Leitlinien SVT (2019) & ventrikuläre Arrhythmien (2022). — Hinweis: lokale SOP & ärztliche Anordnung maßgeblich; Dosierungen vor Anwendung prüfen.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.