STATUS3 Medikament · Adrenalin
Katecholamin · Agonist an α- und β-Adrenozeptoren

Adrenalin

Suprarenin · Ampulle 1 mg / 1 ml

Adrenalin wirkt an allen adrenergen Rezeptoren. Welcher Effekt überwiegt, hängt von der Dosis ab. Im Kreislaufstillstand zählt nur einer: die α₁-vermittelte Vasokonstriktion. Sie hebt den diastolischen Aortendruck — und damit den koronaren Perfusionsdruck, den eigentlichen Hebel für den ROSC.

1 mg/ml
1:1000 · i.m.
0,1 mg/ml
1:10.000 · i.v.
1 mg
Dosis im Arrest
3–5 min
Wiederholung
AML I
Ampullarium AT
Wie gut kennst du Adrenalin?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Adrenalin wird je nach Indikation völlig unterschiedlich dosiert und appliziert. Deshalb steht hier beides nebeneinander.

Kreislaufstillstand

Dosis
1 mg i.v. oder i.o.
Konzentration
1:10.000 = 0,1 mg/ml
Nicht defibrillierbar
sofort — Asystolie, PEA
Defibrillierbar
erst nach dem 3. Schock
Wiederholung
alle 3–5 min
Kind
10 µg/kg i.v./i.o.

Anaphylaxie

Dosis
0,5 mg i.m.
Konzentration
1:1000 = 1 mg/ml
Ort
lateraler Oberschenkel
Wiederholung
nach 5 min bei fehlender Besserung
Weg
intramuskulär, nicht intravenös
Die gefährlichste Verwechslung

1:1000 ist 1 mg/ml — für intramuskulär. 1:10.000 ist 0,1 mg/ml — für intravenös. Die Verwechslung der beiden Konzentrationen ist ein klassischer schwerer Fehler.

Niemals 1 mg als intravenösen Bolus beim Patienten mit eigenem Kreislauf. Das ist die Arrest-Dosis. Außerhalb des Arrests drohen hypertensive Krise, Tachyarrhythmie und Myokardischämie.

Praxis · wach heißt titrieren

Beim wachen Patienten wird Adrenalin intramuskulär gegeben (Anaphylaxie) oder als titrierte Infusion — typisch 2–10 µg/min nach Wirkung bei atropinrefraktärer Bradykardie. Nie als unverdünnter Bolus.

Weitere Anwendungen

Selbsttest Silber

0 von 3

Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Wie viel Adrenalin gibst du im Kreislaufstillstand, und wann zum ersten Mal?Aufdecken
1 mg i.v. oder i.o., dann alle 3–5 Minuten. Beim nicht defibrillierbaren Rhythmus (Asystolie, PEA) sofort. Beim defibrillierbaren (Kammerflimmern, pulslose VT) erst nach dem dritten Schock.
2 Anaphylaxie — Dosis, Konzentration, Weg und Ort?Aufdecken
0,5 mg intramuskulär in den lateralen Oberschenkel, aus der Lösung 1:1000 (1 mg/ml), also 0,5 ml. Wiederholung nach 5 Minuten, wenn keine Besserung eintritt.
3 Was bedeuten 1:1000 und 1:10.000 — und wofür ist welche?Aufdecken
1:1000 = 1 mg/ml — für die intramuskuläre Gabe bei Anaphylaxie. 1:10.000 = 0,1 mg/ml — für die intravenöse Gabe im Arrest. Die Verwechslung ist einer der gefährlichsten Fehler überhaupt.
Silber erreicht

Du kannst Adrenalin sicher geben. Die nächste Stufe erklärt, warum im Arrest nicht die Herzwirkung zählt — sondern die Peripherie.

Stufe Gold

Warum es wirkt

Adrenalin ist kein reiner α- oder β-Agonist. Welcher Effekt überwiegt, entscheidet die Dosis — und die Frage, welches Gewebe man gerade betrachtet.

Die vier Rezeptoren

RezeptorSitzt anWirkung
α₁glatte GefäßmuskulaturVasokonstriktion, Blutdruck steigt — Hauptwirkung im Arrest
β₁HerzFrequenz, Kontraktilität und AV-Überleitung steigen
β₂Bronchien, Muskelgefäße, MastzellenBronchodilatation, Vasodilatation, Hemmung der Mediatorfreisetzung
α₂präsynaptischRückkopplungshemmung — im Notfall nachrangig

Die Kette, auf die es im Arrest ankommt

α₁-Stimulation → periphere Vasokonstriktion → Anstieg des diastolischen Aortendrucks → Anstieg des koronaren Perfusionsdrucks → bessere Durchblutung von Myokard und Gehirn während der Kompressionen → höhere Wahrscheinlichkeit für einen ROSC.

Der koronare Perfusionsdruck entsteht in der Entlastungsphase der Thoraxkompression. Genau ihn hebt die Vasokonstriktion an. Während der Reanimation pumpt nicht das Herz, sondern deine Kompression — und Adrenalin sorgt dafür, dass der erzeugte Druck nicht in einer schlaffen Peripherie versickert.

Merke · der eigentliche Hebel

Im Arrest wirkt Adrenalin nicht über das Herz, sondern über die α₁-Vasokonstriktion. Wer das verstanden hat, versteht auch, warum vollständige Entlastung zwischen den Kompressionen so wichtig ist: Ohne Entlastung gibt es keine Diastole — und ohne Diastole nützt der beste Gefäßtonus nichts.

Dosisabhängigkeit

In niedriger Dosis überwiegen die β-Effekte: Inotropie, Bronchodilatation, eher Gefäßerweiterung im Muskel. In höherer Dosis überwiegen die α-Effekte: Vasokonstriktion. Das erklärt, warum dieselbe Substanz den Kreislauf mal öffnet und mal eng stellt.

Cave · die β-Wirkung ist im Arrest eine Schattenseite

Sie steigert den myokardialen Sauerstoffbedarf, fördert Arrhythmien und verschlechtert über eine gestörte Mikrozirkulation tendenziell das spätere neurologische Ergebnis. Der Nutzen im Arrest ist klar α-vermittelt — die β-Wirkung kommt als unerwünschte Zugabe mit.

Abgrenzung

Selbsttest Gold

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Erkläre in einer Kette, warum Adrenalin im Arrest hilft.Aufdecken
α₁-Stimulation → periphere Vasokonstriktion → diastolischer Aortendruck steigt → koronarer Perfusionsdruck steigt → bessere Myokard- und Hirndurchblutung unter Kompression → höhere ROSC-Wahrscheinlichkeit. Nicht die Herzwirkung ist der Hebel, sondern die Peripherie.
2 Warum ist die β-Wirkung im Kreislaufstillstand eher unerwünscht?Aufdecken
Sie steigert den myokardialen Sauerstoffbedarf, fördert Arrhythmien und verschlechtert über eine gestörte Mikrozirkulation tendenziell das neurologische Ergebnis. Der Nutzen ist α-vermittelt; β kommt als Nebenwirkung mit.
3 Wann Adrenalin, wann Noradrenalin?Aufdecken
Adrenalin im Kreislaufstillstand und bei Anaphylaxie — α und β. Noradrenalin als fast reiner α-Agonist beim distributiven oder septischen Schock, als kontinuierliche Infusion zur Anhebung des Gefäßtonus.
4 Warum wird Adrenalin beim wachen Patienten nie als Bolus gegeben?Aufdecken
Ein schneller intravenöser Bolus provoziert hypertensive Spitzen, Tachykardie und Arrhythmien — bis zur Myokardischämie. Wach wird deshalb intramuskulär (Anaphylaxie) oder als titrierte Infusion gegeben.
Gold erreicht

Du kannst begründen, warum Adrenalin wirkt und wo seine Grenzen liegen. Die Master-Stufe geht an die Pharmakokinetik — und an die Evidenz, die unbequem ist.

Stufe Master

Bis auf den Rezeptor

Was man wissen muss, um es zu unterrichten — und um die unbequeme Frage nach dem Nutzen ehrlich zu beantworten.

Die Signalwege

Alle vier Adrenozeptoren sind G-Protein-gekoppelt, unterscheiden sich aber im nachgeschalteten Weg. α₁ koppelt über Gq an die Phospholipase C — es entstehen IP₃ und Diacylglycerol, Kalzium wird aus dem sarkoplasmatischen Retikulum freigesetzt, die glatte Gefäßmuskulatur kontrahiert.

β₁ und β₂ koppeln über Gs an die Adenylatzyklase: cAMP steigt, die Proteinkinase A wird aktiv. Am Herzen bedeutet das mehr Kalziumeinstrom und eine steilere Schrittmacherdepolarisation, am Bronchus eine Erschlaffung der glatten Muskulatur. α₂ wirkt über Gi hemmend, überwiegend präsynaptisch.

Pharmakokinetik — und warum daraus die Wiederholung folgt

Adrenalin wirkt sofort und kurz: Die Plasmahalbwertszeit liegt bei etwa zwei Minuten. Abgebaut wird es rasch über die Enzyme COMT und MAO zu Metanephrin und Vanillinmandelsäure.

Daraus folgt unmittelbar das Dosierungsintervall von 3 bis 5 Minuten im Arrest — eine Einmalgabe wäre längst verstoffwechselt, bevor der nächste Rhythmuscheck kommt. Oral ist Adrenalin unwirksam, weil es vollständig der First-Pass-Metabolisierung unterliegt. Deshalb nur intravenös, intraossär, intramuskulär oder vernebelt.

Zwei Minuten Halbwertszeit — deshalb alle drei bis fünf Minuten.
Die Pharmakokinetik schreibt den Algorithmus, nicht umgekehrt.

Die Evidenz — und warum sie unbequem ist

Die PARAMEDIC2-Studie verglich Adrenalin gegen Placebo beim außerklinischen Kreislaufstillstand. Ergebnis: unter Adrenalin mehr ROSC und ein besseres 30-Tage-Überleben — aber kein Vorteil beim neurologisch intakten Überleben.

Das ist derselbe Befund wie bei Amiodaron in der ALPS-Studie: Der Rhythmus kommt häufiger zurück, das Gehirn nicht unbedingt mit. Wer das unterrichtet, sollte es nicht verschweigen — es erklärt, warum die Leitlinien Adrenalin beim defibrillierbaren Rhythmus nach hinten geschoben haben. Defibrillation und gute Kompressionen kommen zuerst.

Merksatz für den Unterricht

„Beim nicht defibrillierbaren Rhythmus: Adrenalin sofort. Beim defibrillierbaren: Adrenalin und Amiodaron erst nach dem dritten Schock.

Die fünf Kernsätze

Nebenwirkungen — alle aus dem Mechanismus

Tachykardie und Tachyarrhythmien folgen aus β₁. Hypertonie bis zur hypertensiven Krise aus α₁. Myokardischämie entsteht durch den gesteigerten Sauerstoffbedarf. Dazu Unruhe, Tremor und Kopfschmerz sowie Hyperglykämie und Laktatanstieg als metabolische β-Effekte. Lokal droht bei Paravasat eine Gewebsnekrose durch die α-vermittelte Vasokonstriktion.

Selbsttest Master

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum wird Adrenalin alle 3–5 Minuten wiederholt und nicht einmalig gegeben?Aufdecken
Weil die Plasmahalbwertszeit nur etwa zwei Minuten beträgt. Der Abbau über COMT und MAO ist so schnell, dass eine Einmalgabe längst verstoffwechselt wäre, bevor der nächste Rhythmuscheck kommt. Die Pharmakokinetik bestimmt hier das Intervall.
2 Was zeigte PARAMEDIC2 — und was folgt daraus für den Algorithmus?Aufdecken
Mehr ROSC und besseres 30-Tage-Überleben unter Adrenalin, aber kein Vorteil beim neurologisch intakten Überleben. Daraus folgt die Nachrangigkeit beim defibrillierbaren Rhythmus: Defibrillation und gute Kompressionen zuerst, Adrenalin erst nach dem dritten Schock.
3 Über welchen Signalweg führt α₁ zur Vasokonstriktion?Aufdecken
α₁ koppelt über Gq an die Phospholipase C → IP₃ und Diacylglycerol → Freisetzung von Kalzium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum → Kontraktion der glatten Gefäßmuskulatur. β-Rezeptoren gehen dagegen über Gs und cAMP.
4 Warum ist Adrenalin oral unwirksam?Aufdecken
Wegen vollständiger First-Pass-Metabolisierung — es wird in Darmwand und Leber abgebaut, bevor es den Kreislauf erreicht. Deshalb kommen nur intravenös, intraossär, intramuskulär und vernebelt infrage.
Master erreicht

Du kennst Adrenalin bis auf den Signalweg — und kannst die Evidenzlage ehrlich vertreten. Schau in ein paar Wochen wieder her.

Wo es vorkommt

Adrenalin im Einsatz

Quellen & Stand: ERC Guidelines 2025 — Adult Advanced Life Support (Algorithmus, Dosierung, Zeitpunkt) · ERC-Leitlinie Anaphylaxie · PARAMEDIC2 (Perkins et al., NEJM 2018) · ÖRK-Arzneimittelliste I und PAX-Kompendium. Region Österreich. Geprüft Juli 2026.

Lern- und Lehrhilfe — kein Ersatz für lokale SOP, Fachinformation und individuelle ärztliche Entscheidung. Dosierungen vor Anwendung prüfen.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.