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◆ Teil III · Kardiozirkulatorisch KAP. III.6

Schock — Klassifikation

Kernbotschaft: Schock ist ein Sauerstoffdefizit im Gewebe, nicht nur ein niedriger Blutdruck. Vier Grundtypen — die Ursache bestimmt, ob Volumen hilft oder schadet.
Konsensus-Nomenklatur (2018)ATLSStand: Juli 2026

◎ Lernziele

  • Schock als Gewebehypoxie definieren (nicht über den Blutdruck allein).
  • die vier Grundtypen unterscheiden und mechanistisch zuordnen.
  • den Schockindex und die ATLS-Blutungsklassen anwenden.
  • typspezifisch behandeln — v. a. wann Volumen hilft und wann es schadet.
1 Vier Grundtypen
TypMechanismusBeispiele
HypovolämVolumenmangel (Blut/Flüssigkeit)Blutung, Exsikkose, Verbrennung
KardiogenPumpversagenHerzinfarkt, Arrhythmie, Herzinsuffizienz
Obstruktivmechanische Behinderung der ZirkulationSpannungspneu, Tamponade, Lungenembolie
DistributivVasodilatation / Fehlverteilungseptisch, anaphylaktisch, neurogen
2 Erkennen — Schockindex & ATLS-Blutungsklassen

Frühzeichen

  • Tachykardie, Rekap-Zeit ↑, Blässe/Marmorierung, Unruhe, Oligurie
  • Schockindex (HF/RRsys) > 1 = Alarm
  • RR-Abfall ist ein spätes Zeichen (Kompensation)

warm vs. kalt

  • Kalt (eng): hypovoläm, kardiogen, obstruktiv
  • Warm (weit): früh distributiv (septisch/anaphylaktisch)
  • Laktat ↑ als Perfusionsmarker
ATLS-KlasseBlutverlustKlinik (Anhalt)
I< 15 % (~750 ml)kaum verändert, HF normal/leicht ↑
II15–30 % (~750–1500 ml)Tachykardie, Pulsdruck ↓, unruhig
III30–40 % (~1500–2000 ml)HF 120–140, RR ↓, AF ↑, verwirrt
IV> 40 % (> 2000 ml)HF > 140, deutliche Hypotonie, Vigilanz ↓

Die ATLS-Klassen sind ein Lehrmodell — reale Vitalwerte reagieren oft träger; junge Patienten kompensieren lange, dann rascher Einbruch.

3 Typspezifische Therapie — Volumen ja/nein
VOLUMEN HILFT
Vorlast auffüllen
Hypovoläm: Blutung stoppen, balancierte Kristalloide/Blut, TXA (Trauma)
Distributiv (septisch): 30 ml/kg + früh Noradrenalin auf MAP ≥ 65
Anaphylaktisch: Adrenalin i.m. + großzügig Volumen
VOLUMEN MIT VORSICHT
Ursache beheben zuerst
Kardiogen: kein großzügiges Volumen (Lungenödem!) → Ursache (ACS), Inotropie/Vasopressor
Obstruktiv: mechanische Ursache sofort beheben — Spannungspneu entlasten, Tamponade, LAE-Lyse
▲ Der Schocktyp entscheidet, ob Volumen lebensrettend oder gefährlich ist ▲
4 Pitfalls, Retrieval & Take-Home

RED FLAGS

  • Nur auf den Blutdruck geschaut (Schock lange normoton kompensiert)
  • Großzügiges Volumen bei kardiogenem Schock → Lungenödem
  • Obstruktiven Schock „volumentherapiert" statt Ursache behoben
  • Blutung als Schockursache übersehen (Trauma: „on the floor + fünf Höhlen")

✎ Recall

Die vier Schocktypen?
Hypovoläm, kardiogen, obstruktiv, distributiv. Der Typ bestimmt die Therapie (v. a. Volumen ja/nein).
Bei welchen Typen ist großzügiges Volumen gefährlich?
Kardiogen (Lungenödem) und rein obstruktiv — hier zuerst die Ursache beheben.
Was ist der Schockindex?
HF / RRsys; > 1 weist früh auf relevanten Schock hin, bevor der RR einbricht.

TAKE-HOME

  • Schock = Gewebehypoxie, nicht nur Hypotonie — Schockindex & Perfusionszeichen nutzen.
  • Vier Typen unterscheiden; Ursache bestimmt die Therapie.
  • Volumen hilft bei hypovoläm/distributiv — Vorsicht bei kardiogen/obstruktiv (Ursache zuerst).
Quellen & Stand: Konsensus-Nomenklatur des Schocks (Dtsch Arztebl Int 2018); ATLS (American College of Surgeons); SSC 2021 (septischer Schock). — Hinweis: lokale SOP & ärztliche Anordnung maßgeblich.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.