STATUS3 Kapitel · Leitsymptom Brustschmerz
Der Weg von der Beschwerde zur Verdachtsdiagnose · Leitsymptome

Leitsymptom Brustschmerz

Vier Ursachen töten in Stunden — alles andere hat Zeit

Brustschmerz ist keine Diagnose, sondern eine Beschwerde mit sehr breitem Spektrum: Vom Rippenprellungsschmerz bis zur Aortendissektion liegt alles darin. Präklinisch lässt sich die Ursache oft nicht sichern — und das muss sie auch nicht. Die Aufgabe ist eine andere und viel enger: herausfinden, ob eine der vier zeitkritischen Ursachen vorliegt. Denn die bestimmen das Tempo, das Zielkrankenhaus und die Frage, was auf keinen Fall gegeben werden darf. Alles Übrige darf warten, bis jemand mit mehr Diagnostik nachschaut.

4 Killer
ACS · Dissektion · Lungenembolie · Spannungspneu
≤ 10 min
12-Kanal-EKG nach Erstkontakt (ESC)
beidseits
Blutdruck messen — die Differenz ist ein Befund
normal ≠ gesund
ein unauffälliges EKG schließt nichts aus
kein ASS
solange die Dissektion im Raum steht
Wie gut kennst du Leitsymptom Brustschmerz?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Nicht die Diagnose ist präklinisch die Aufgabe, sondern die Einordnung: zeitkritisch oder nicht. Diese Frage lässt sich mit Anamnese, Untersuchung und EKG in wenigen Minuten beantworten.

Brustschmerz ist ein Auftrag zum Ausschließen, nicht zum Diagnostizieren. Vier Ursachen töten in Stunden: akutes Koronarsyndrom, Aortendissektion, Lungenembolie, Spannungspneumothorax. Bis die vier ausgeräumt sind, hat nichts anderes Vorrang.

Die vier Killer und ihr Erkennungsmuster

UrsacheTypisches MusterWas den Verdacht erhärtetWas hier zählt
Akutes Koronarsyndromdrückend, retrosternal, Ausstrahlung Arm/Kiefer, Vernichtungsgefühl, Kaltschweiß12-Kanal-EKG mit Hebungen oder Senkungen; kardiale VorgeschichteZeit ist Myokard — Zielklinik mit Reperfusion
Aortendissektionschlagartig, reißend, oft in den Rücken wanderndBlutdruckdifferenz zwischen den Armen, Pulsdefizit, neu aufgetretene Symptome an mehreren StromgebietenBlutdruck senken, keine Gerinnungshemmung
Lungenembolieatemabhängig, mit Luftnot, oft plötzlicheinseitig geschwollenes Bein, Immobilisation, Operation, Tumor, Schwangerschaft, frühere ThromboseRechtsherzbelastung suchen, Kreislauf im Blick
SpannungspneumothoraxLuftnot mit einseitig fehlendem Atemgeräuschhypersonorer Klopfschall, Hautemphysem, gestaute Halsvenen, Kreislauf bricht einsofortige Entlastung — keine weitere Diagnostik davor
Der eine Handgriff, der alles ändert: Blutdruck an beiden Armen

Er dauert eine Minute, wird routinemäßig weggelassen — und ist der einzige Befund am Einsatzort, der die Aortendissektion in den Vordergrund rückt.

Warum es zählt: Bei ACS und Dissektion sieht der Patient zunächst ähnlich aus. Die Behandlung läuft aber in gegenläufige Richtungen. Wer eine Dissektion für einen Infarkt hält und Gerinnungshemmer gibt, verschlechtert die Blutung in der Gefäßwand.

Ein normaler Befund schließt die Dissektion nicht aus — nicht jede erzeugt eine Differenz. Aber ein auffälliger Befund ist ein Grund, die Reihenfolge umzudrehen.

Bewusst ohne Zahlenwert: Ab welcher Differenz in mmHg der Befund als auffällig gilt, ist auf dieser Seite bewusst nicht genannt — die Angaben unterscheiden sich je Quelle.

Die Fragen, die trennen

Wer atypisch kommt — und deshalb übersehen wird

Frauen, alte Menschen, Diabetiker. Bei ihnen kann der Infarkt ohne den typischen Brustschmerz verlaufen: nur Luftnot, nur Übelkeit, nur Schwäche, nur Rückenschmerz, nur Verwirrtheit.

Die diabetische Neuropathie dämpft die Schmerzwahrnehmung — der stumme Infarkt ist keine Seltenheit, sondern ein Muster.

Praktische Folge: Bei diesen Gruppen gehört ein 12-Kanal-EKG auch dann geschrieben, wenn der Brustschmerz gar nicht die führende Beschwerde ist.

Was du tust — in dieser Reihenfolge

xABCDE. Der Spannungspneumothorax fällt hier auf und wird hier behandelt — nicht später.

12-Kanal-EKG früh, nach ESC innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt. Bei unauffälligem Befund und anhaltendem Schmerz wiederholen.

Blutdruck an beiden Armen. Ein Handgriff, eine Minute.

Monitoring, Sauerstoff nach Zielbereich (nicht routinemäßig maximal), Zugang.

Anamnese gezielt auf die vier Killer — Beginn, Wanderung, Atemabhängigkeit, Risikofaktoren.

Beine anschauen: einseitige Schwellung ist ein Lungenemboliehinweis, der nichts kostet.

Zielklinik nach Verdacht, nicht nach Nähe: Reperfusion, Gefäßchirurgie, Bildgebung. Früh voranmelden.

Selbsttest Silber

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum gehört bei Brustschmerz der Blutdruck an beide Arme gemessen?Aufdecken
Weil eine Seitendifferenz der einzige Befund am Einsatzort ist, der die Aortendissektion nach vorne rückt. ACS und Dissektion sehen anfangs ähnlich aus, die Behandlung läuft aber gegenläufig: Beim ACS wird die Gerinnung gehemmt, bei der Dissektion wäre genau das schädlich. Der Handgriff dauert eine Minute. Wichtig: Ein normaler Befund schließt die Dissektion nicht aus — nicht jede erzeugt eine Differenz. Er entlastet also nicht, aber ein auffälliger Befund verpflichtet.
2 Das 12-Kanal-EKG ist unauffällig, der Patient hat weiter starke Schmerzen. Was folgt daraus?Aufdecken
Nichts Beruhigendes. Ein unauffälliges EKG schließt weder ein akutes Koronarsyndrom noch eine der anderen drei zeitkritischen Ursachen aus. Beim NSTEMI kann es normal sein, bei der Dissektion und der Lungenembolie ist es oft unspezifisch. Konsequenz: EKG bei anhaltender Beschwerde wiederholen, die anderen drei Ursachen weiter abklopfen und den Patienten nicht auf Basis eines normalen Streifens herunterstufen.
3 Ein 76-jähriger Diabetiker klagt über Luftnot und Übelkeit, kein Brustschmerz. Schreibst du ein EKG?Aufdecken
Ja. Bei alten Menschen, Frauen und Diabetikern verläuft der Infarkt häufig ohne den typischen Brustschmerz — Luftnot, Übelkeit, Schwäche, Rückenschmerz oder Verwirrtheit können die einzigen Zeichen sein. Die diabetische Neuropathie dämpft zusätzlich die Schmerzwahrnehmung. Das 12-Kanal-EKG kostet Minuten und ist das einzige Werkzeug, das den stummen Infarkt am Einsatzort sichtbar macht.
4 Was unterscheidet den Schmerzbeginn bei Aortendissektion vom Beginn beim akuten Koronarsyndrom?Aufdecken
Die Geschwindigkeit. Die Dissektion beginnt schlagartig und sofort maximal, oft als reißend beschrieben, und wandert typischerweise in den Rücken. Der Infarktschmerz baut sich eher über Minuten auf und wird als drückend oder beklemmend geschildert. Die Frage „Wie hat es angefangen — von einer Sekunde auf die andere oder langsam?" ist deshalb keine Nebensache, sondern eine der wenigen Fragen, die präklinisch tatsächlich trennen.
5 Welche der vier zeitkritischen Ursachen wird bereits im ABCDE erkannt und behandelt — und nicht später?Aufdecken
Der Spannungspneumothorax. Er ist ein B-Problem mit Kreislaufwirkung: einseitig fehlendes Atemgeräusch, hypersonorer Klopfschall, Luftnot, einbrechender Kreislauf. Er wird sofort entlastet, nicht erst nach EKG und Anamnese. Die anderen drei werden im Verlauf der Beurteilung eingegrenzt — dieser eine wird im ABCDE behandelt, weil er in Minuten tötet und die Behandlung sofort wirkt.
Silber erreicht

Du gehst bei Brustschmerz nicht auf Diagnosesuche, sondern schließt gezielt vier zeitkritische Ursachen aus, misst beidseits Blutdruck, schreibst früh ein EKG und lässt dich von einem normalen Streifen nicht beruhigen.

Stufe Gold

Die Muster

Jedes typische Schmerzmuster hat einen anatomischen Grund. Wer ihn kennt, versteht auch, warum die Ausnahmen so häufig sind — und hört auf, sich auf das typische Bild zu verlassen.

Warum der Herzschmerz nicht dort weh tut, wo das Herz liegt

Die schmerzleitenden Fasern des Herzens laufen über sympathische Bahnen in die oberen Brustsegmente des Rückenmarks — dieselben Segmente, die auch Haut und Muskeln von Schulter, Arm, Hals und Kiefer versorgen. Das Gehirn kann die Herkunft der Meldung nicht auflösen und ordnet sie dem Gebiet zu, aus dem es sonst Signale bekommt: der Körperoberfläche.

Das Zeichen, das mehr sagt als jede Schmerzskala

Kaltschweißigkeit. Ein blasser, kaltschweißiger Patient mit Brustschmerz ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Notfall — unabhängig davon, wie er den Schmerz beschreibt und was das erste EKG zeigt.

Sie ist Ausdruck der massiven sympathischen Gegenregulation und tritt bei allen vier zeitkritischen Ursachen auf.

Warum das EKG bei manchen Infarkten schweigt

Die teuren Verwechslungen

Wird gehalten fürIst in WahrheitWarum es schiefgeht
Magen-Darm-InfektHinterwandinfarktOberbauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen decken sich vollständig
InfarktAortendissektionDie Gerinnungshemmung, die beim Infarkt hilft, verschlechtert die Blutung in der Gefäßwand
PanikattackeLungenembolieBeide erzeugen Luftnot, Herzrasen, Todesangst und ein unauffälliges Basis-EKG
MuskelverspannungACSEin Teil der Infarktschmerzen ist durch Druck oder Bewegung beeinflussbar — das schließt nichts aus
Angina pectoris wie immerinstabile Angina / NSTEMIDer Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern in Dauer, Häufigkeit und Auslöseschwelle
Warum Reproduzierbarkeit nicht entlastet

„Ich kann den Schmerz durch Druck auslösen" gilt oft als Beweis für eine muskuloskelettale Ursache. Das ist nicht zuverlässig: Bei einem relevanten Teil der Patienten mit gesichertem Koronarsyndrom lässt sich der Schmerz durch Palpation ebenfalls beeinflussen.

Dasselbe gilt für die Besserung nach Nitraten. Ein Ansprechen ist kein Beweis für ein ACS, ein Nichtansprechen kein Ausschluss — auch Ösophagusspasmen sprechen auf Nitrate an.

Selbsttest Gold

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum strahlt Herzschmerz in Arm, Hals und Kiefer aus?Aufdecken
Weil die schmerzleitenden Fasern des Herzens über sympathische Bahnen in dieselben Rückenmarkssegmente eintreten wie die sensiblen Fasern von Schulter, Arm, Hals und Kiefer. Das Gehirn kann die Herkunft nicht auflösen und ordnet die Meldung dem Gebiet zu, aus dem es gewohnheitsmäßig Signale bekommt — der Körperoberfläche. Daraus folgt auch, warum der Schmerz schlecht lokalisierbar ist und warum der Oberbauch dazugehört: Ein Hinterwandinfarkt kann sich als Magenschmerz zeigen.
2 Warum kann ein Infarkt bei unauffälligem 12-Kanal-EKG vorliegen?Aufdecken
Aus drei Gründen. Erstens Blickwinkel: Die zwölf Ableitungen bilden die rechte Kammer und die streng posteriore Wand nur indirekt ab — dort bleiben Hebungen unsichtbar. Zweitens Zeitpunkt: Ganz früh kann der Streifen noch normal sein, deshalb wird bei anhaltender Beschwerde wiederholt. Drittens Überlagerung: Ein Linksschenkelblock oder Schrittmacherrhythmus verändert die Erregungsrückbildung so, dass die gewohnten Zeichen nicht mehr gelten. Und schließlich zeigt der NSTEMI definitionsgemäß keine Hebungen.
3 Ein Patient hat Oberbauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen. Warum gehört ein EKG dazu?Aufdecken
Weil der Hinterwandinfarkt sich genau so äußern kann. Die Verschaltung der Herzafferenzen reicht bis in die oberen Bauchsegmente; zusammen mit der vegetativen Begleitreaktion entsteht ein Bild, das von einem Magen-Darm-Infekt nicht zu unterscheiden ist. Diese Verwechslung ist eine der teuersten in der Notfallmedizin — und sie kostet ein EKG, sie zu vermeiden.
4 Der Schmerz lässt sich durch Druck auf den Brustkorb auslösen. Ist das ein Ausschluss für ein ACS?Aufdecken
Nein. Reproduzierbarkeit durch Palpation gilt weithin als Zeichen einer muskuloskelettalen Ursache, ist aber nicht zuverlässig: Bei einem relevanten Teil der Patienten mit gesichertem Koronarsyndrom lässt sich der Schmerz ebenfalls beeinflussen. Dasselbe gilt umgekehrt für Nitrate — ein Ansprechen beweist kein ACS, ein Nichtansprechen schließt keines aus. Diagnostische Tests, die aus der Therapie abgeleitet werden, sind hier durchweg unzuverlässig.
5 Was unterscheidet stabile Angina pectoris von instabiler Angina?Aufdecken
Nicht die Qualität des Schmerzes, sondern sein Verhalten: Die instabile Angina tritt bei geringerer Belastung auf als bisher, dauert länger, kommt häufiger, tritt neu in Ruhe auf oder spricht schlechter auf die gewohnte Medikation an. Deshalb ist die Frage „Ist das anders als sonst?" wichtiger als jede Beschreibung des Schmerzcharakters — und der Patient mit langjähriger Angina ist derjenige, der sie am besten beantworten kann.
Gold erreicht

Du erklärst die Ausstrahlung anatomisch, kennst die drei Gründe für ein stummes EKG und behandelst weder Palpationsschmerz noch Nitratansprechen als diagnostisches Kriterium.

Stufe Master

Die Reihenfolge

Die schwierigste Entscheidung bei Brustschmerz ist nicht die Diagnose, sondern die Reihenfolge: Womit fängt man an, wenn zwei Verdachtsdiagnosen gegenläufige Behandlungen verlangen?

Wenn zwei Verdachtsdiagnosen gegeneinander stehen

Der klassische Konflikt ist ACS gegen Aortendissektion. Beide erzeugen starken Brustschmerz mit vegetativer Begleitung. Beim ACS gehört die frühe Gerinnungshemmung zur Behandlung — bei der Dissektion ist sie potenziell verheerend, weil sie die Blutung in der Gefäßwand begünstigt. Die Dissektion kann zudem eine Koronararterie mit einbeziehen und dadurch selbst einen Infarkt im EKG erzeugen. Ein STEMI-Bild schließt eine Dissektion also nicht aus.

Der Satz für die Übergabe

„Beginn schlagartig oder zunehmend — und wie war der Blutdruck seitengleich?"

Wer diese beiden Angaben mitliefert, hat der Notaufnahme die Information gegeben, die sie selbst nicht mehr erheben kann: den Beginn, den nur der Patient und nur am Anfang zuverlässig erinnert.

Wie sich die Wahrscheinlichkeit vor Ort verschiebt

Das Vorwissen über den Patienten verändert, was ein Befund bedeutet. Derselbe Brustschmerz hat bei einem 25-Jährigen ohne Risikofaktoren eine andere Bedeutung als bei einem 70-Jährigen mit Diabetes und bekannter koronarer Herzkrankheit — nicht weil der Schmerz anders wäre, sondern weil die Ausgangswahrscheinlichkeit anders ist.

Was beim Lehren betont gehört

Häufiger LehrfehlerWas stattdessen vermittelt werden sollte
Schmerzcharakter als Leitkriterium („drückend = Herz")Der Beginn und der Verlauf trennen besser als die Beschreibung
„EKG unauffällig, also kein Infarkt"Das EKG kann bestätigen, aber kaum ausschließen — Wiederholung ist Diagnostik
Nitratansprechen als TestKein diagnostisches Kriterium; auch Ösophagusspasmen sprechen an
Vier Killer als Liste zum AuswendiglernenAls vier Fragen lehren: Wie begonnen? Wandert es? Atemabhängig? Blutdruck seitengleich?
Typisches Bild als NormFrauen, Alte und Diabetiker als eigene Regel lehren, nicht als Ausnahme
Die Beschwerde, die am Ende bleibt

Ein erheblicher Teil der Brustschmerzpatienten hat keine der vier zeitkritischen Ursachen — muskuloskelettal, ösophageal, psychisch, pulmonal ohne Embolie.

Das ist kein Fehleinsatz. Der Auftrag lautete, das Zeitkritische auszuschließen. Wenn dieser Auftrag sauber erledigt ist, war der Einsatz erfolgreich — auch ohne dramatische Diagnose.

Gefährlich wird es dort, wo aus dieser Häufigkeit eine Erwartung wird: Wer davon ausgeht, dass es „wieder nichts" ist, stellt die vier Fragen nicht mehr.

Selbsttest Master

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum schließt ein STEMI-Bild im EKG eine Aortendissektion nicht aus?Aufdecken
Weil die Dissektion eine Koronararterie mit einbeziehen kann — die Ablösung der Gefäßwand verlegt dann das Koronarostium, und es entsteht ein echter Infarkt mit typischem EKG-Bild. Wer den Streifen als Beweis nimmt und Gerinnungshemmer gibt, behandelt die sichtbare Folge und verschlechtert die Ursache. Deshalb gehört die Dissektionsfrage vor die Gerinnungshemmung — auch bei eindeutigem Infarktbild.
2 Wie begründest du die eine Minute für die Blutdruckmessung an beiden Armen gegenüber „Zeit ist Myokard"?Aufdecken
Über die Asymmetrie der Fehler. Eine um eine Minute verzögerte Infarktbehandlung ist ein kleiner Schaden. Eine Gerinnungshemmung bei übersehener Dissektion ist ein potenziell tödlicher. Wenn eine Maßnahme wenig kostet und den größeren Fehler abwendet, ist sie gerechtfertigt. Wichtig ist die Gegenrichtung: Das rechtfertigt kein allgemeines Zögern. Aus Sorge vor der seltenen Dissektion die häufige Infarktbehandlung zu unterlassen, wäre der größere Fehler.
3 Warum verändert die Vorgeschichte des Patienten die Bedeutung desselben Befunds?Aufdecken
Weil jeder Befund auf eine Ausgangswahrscheinlichkeit trifft. Derselbe Brustschmerz bedeutet beim 70-Jährigen mit Diabetes und bekannter KHK etwas anderes als beim 25-Jährigen ohne Risikofaktoren — nicht weil der Schmerz anders wäre, sondern weil die Vortestwahrscheinlichkeit anders ist. Die Falle wirkt in beide Richtungen: Beim Jungen wird zu spät an ein ACS gedacht, beim Alten zu schnell alles dem Herzen zugeschrieben und die Dissektion nicht mehr erwogen.
4 Wie lehrt man die vier Killer wirksamer als durch eine Liste?Aufdecken
Als vier Fragen statt vier Namen: Wie hat es angefangen — schlagartig oder zunehmend? Wandert es in den Rücken? Ist es atemabhängig? Ist der Blutdruck seitengleich? Eine Liste muss man abrufen, Fragen stellt man. Dazu gehört, die atypischen Verläufe bei Frauen, alten Menschen und Diabetikern als eigene Regel zu lehren und nicht als Fußnote — sonst bleibt das typische Bild die Norm, an der man sich orientiert, und die Ausnahme wird übersehen.
5 Die meisten Brustschmerzpatienten haben keine der vier Ursachen. Warum ist das kein Argument für weniger Aufwand?Aufdecken
Weil der Auftrag präklinisch nicht lautet, eine Diagnose zu stellen, sondern das Zeitkritische auszuschließen. Wird dieser Auftrag sauber erledigt und findet sich nichts, war der Einsatz erfolgreich — nicht umsonst. Gefährlich wird die Häufigkeit erst, wenn sie zur Erwartung wird: Wer davon ausgeht, dass es „wieder nichts" ist, stellt die vier Fragen nicht mehr. Und dann wird der eine Fall übersehen, der sich nicht an die Statistik hält.
Master erreicht

Du kannst begründen, warum die Dissektionsfrage vor der Gerinnungshemmung steht, ordnest Befunde in die Vorgeschichte ein und lehrst die vier Killer als Fragen statt als Liste.

Wo es vorkommt

Leitsymptom Brustschmerz im Einsatz

Quellen & Stand: ESC-Leitlinie 2023 zum akuten Koronarsyndrom — 12-Kanal-EKG innerhalb von 10 Minuten nach medizinischem Erstkontakt, Wiederholung bei anhaltender Beschwerde und zunächst unauffälligem Befund; atypische Präsentation bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern ausdrücklich benannt. ESC-Leitlinie 2014 zu Aortenerkrankungen — schlagartiger, reißender, wandernder Schmerz, Blutdruckdifferenz und Pulsdefizit als klinische Hinweise; mögliche Beteiligung der Koronarostien mit Infarktbild. ESC-Leitlinie 2019 zur Lungenembolie — Risikofaktoren und klinische Konstellation. ERC 2025 für die strukturierte Beurteilung nach xABCDE und die Sofortbehandlung des Spannungspneumothorax. Bewusst ohne Zahlenwerte: Der Schwellenwert der Blutdruckdifferenz zwischen den Armen, Sauerstoff-Zielbereiche und alle Medikamentendosierungen sind auf dieser Seite nicht genannt; sie stehen in der Prüfmappe beziehungsweise auf den jeweiligen Kapitel- und Wirkstoffseiten. Stand Juli 2026, nächste Prüfung Juli 2027. AT/DE: Zielklinikwahl, Voranmeldung und Kompetenzrahmen nach regionaler Struktur und lokaler SOP. Lern- und Lehrhilfe, kein Ersatz für ärztliche Anordnung und lokale SOP.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.