STATUS3 Kapitel · Pneumothorax
Einfacher und offener Pneumothorax · Teil IV Respiratorisch

Pneumothorax

Luft im Pleuraspalt, die wieder heraus kann — der Unterschied, auf den alles ankommt

Der Pleuraspalt hält die Lunge an der Brustwand, weil in ihm ein Unterdruck herrscht. Kommt Luft hinein, fällt dieser Unterdruck weg und die Lunge zieht sich zusammen. Solange die Luft wieder entweichen kann, bleibt es dabei: Der Patient hat Luftnot und Schmerzen, aber der Kreislauf trägt. Kann sie nicht mehr heraus, entsteht ein Ventil — und daraus wird der Spannungspneumothorax. Die ganze Einteilung dieses Kapitels hängt an dieser einen Frage.

3 Seiten
verklebt beim offenen Pneumothorax
1 Seite
offen — das ist der Ventilmechanismus
hypersonor
Perkussion auf der betroffenen Seite
Beatmung
macht aus einfach schnell Spannung
engmaschig
überwachen — der Zustand kann kippen
Wie gut kennst du Pneumothorax?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Drei Formen, ein Prinzip: Es kommt darauf an, ob die Luft wieder heraus kann. Einfach heißt: ja. Offen heißt: durch die Brustwand. Spannung heißt: nein — und das ist der lebensbedrohliche Fall.

Beim offenen Pneumothorax wird der Verband an DREI Seiten verklebt. Die vierte bleibt offen — sonst baut man selbst das Ventil, das den Spannungspneumothorax erzeugt.

Die drei Formen

FormLuft kann heraus?KreislaufSofortmaßnahme
Einfach (geschlossen)ja, über den VerletzungswegstabilSauerstoff, Überwachung, Transport
Offenja, durch die Brustwandmeist stabildreiseitig verklebter Verband
Spannungnein — Ventilbricht einsofortige Entlastung

Woran du ihn erkennst

Der dreiseitige Verband — und warum die vierte Seite offen bleibt

Beim offenen Pneumothorax wird eine luftdichte Folie über die Wunde gelegt und an drei Seiten verklebt.

Die vierte Seite bleibt frei: Beim Einatmen saugt sich die Folie an und verschließt die Wunde, beim Ausatmen kann die Luft unter der freien Kante entweichen.

Wer alle vier Seiten verklebt, baut selbst das Ventil — und macht aus einem offenen Pneumothorax einen Spannungspneumothorax. Alternativ gibt es fertige Ventilpflaster.

Auch mit richtigem Verband: engmaschig überwachen. Verstopft die Öffnung, gilt dasselbe.

Wann aus einfach plötzlich Spannung wird

Bei jeder Überdruckbeatmung. Nach der Intubation kann ein bis dahin harmloser Pneumothorax innerhalb von Minuten kippen.

Beim Lufttransport — mit sinkendem Umgebungsdruck dehnt sich die eingeschlossene Luft aus.

Bei jeder Verschlechterung während des Transports gehört der Gedanke daran zurück auf den Tisch.

Was du tust

Sauerstoff geben, Oberkörper hoch, wenn es die Verletzungen erlauben.

Beim offenen Pneumothorax: Wunde abdecken, dreiseitig verkleben, Stelle im Blick behalten.

Monitoring inklusive Kapnographie, Atemgeräusch wiederholt kontrollieren.

Keine Drainage im Rettungsdienst ohne Indikation und Kompetenz — beim einfachen Pneumothorax ist der Transport in die Klinik die richtige Maßnahme.

Selbsttest Silber

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum wird der Verband beim offenen Pneumothorax nur an drei Seiten verklebt?Aufdecken
Damit die vierte Seite als Auslassventil wirkt: Beim Einatmen saugt sich die Folie an und dichtet ab, beim Ausatmen entweicht die Luft unter der freien Kante. Wer alle vier Seiten verklebt, erzeugt genau den Ventilmechanismus, der zum Spannungspneumothorax führt — man baut die lebensbedrohliche Form selbst.
2 Wie unterscheidest du bei der Untersuchung einen Pneumothorax von einem Hämatothorax?Aufdecken
An der Perkussion: Beim Pneumothorax klingt sie hypersonor — es ist Luft dort, wo Gewebe sein sollte. Beim Hämatothorax klingt sie gedämpft, weil dort Blut liegt. Das Atemgeräusch ist bei beiden abgeschwächt. Beim Hämatothorax steht zusätzlich der Volumenmangel im Vordergrund.
3 Ein Patient mit einfachem Pneumothorax wird intubiert und beatmet. Worauf achtest du besonders?Aufdecken
Auf das Kippen in einen Spannungspneumothorax. Die Überdruckbeatmung presst Luft aktiv in den Thorax; ein bis dahin harmloser Pneumothorax kann innerhalb von Minuten lebensbedrohlich werden. Warnzeichen: steigender Beatmungsdruck, fallende Sättigung, Hypotonie. Dann sofort entlasten.
4 Muss beim einfachen Pneumothorax präklinisch eine Drainage gelegt werden?Aufdecken
Nein. Beim stabilen Patienten mit einfachem Pneumothorax ist die richtige Maßnahme Sauerstoff, Lagerung, engmaschige Überwachung und der Transport in die Klinik. Eine Drainage ist eine ärztliche Maßnahme mit eigenen Risiken — sie wird nach Indikation gelegt, nicht vorsorglich.
Silber erreicht

Du hältst die drei Formen auseinander und weißt, warum der Verband eine offene Seite braucht. Die nächste Stufe erklärt den Unterdruck im Pleuraspalt und die Sonderformen.

Stufe Gold

Der Unterdruck

Die Lunge hat einen eigenen Rückstellwillen: Sie würde sich von selbst zusammenziehen. Dass sie es nicht tut, liegt allein am Unterdruck im Pleuraspalt.

Warum die Lunge entfaltet bleibt

Zwischen Lungenfell und Rippenfell liegt ein hauchdünner Spalt mit etwas Flüssigkeit und einem Unterdruck gegenüber dem Alveolardruck. Dieser Unterdruck hält die elastische Lunge gegen ihre eigene Rückstellkraft entfaltet. Kommt Luft in den Spalt, gleicht sich der Druck an — und die Lunge zieht sich zusammen wie ein losgelassener Ballon.

Daraus folgt alles Weitere: Der Gasaustausch fällt auf dieser Seite aus, das Blut fließt aber weiter durch die kollabierte Lunge — es entsteht ein Rechts-links-Shunt. Deshalb bessert Sauerstoff die Sättigung nur begrenzt: Man kann nicht oxygenieren, was nicht belüftet ist.

Die Entstehungswege

FormWie sie entstehtWer betroffen ist
Primärer SpontanpneumothoraxRuptur kleiner subpleuraler Blasen ohne bekannte Lungenerkrankungtypisch jung, schlank, groß, oft Raucher
Sekundärer Spontanpneumothoraxauf dem Boden einer Lungenerkrankung — COPD, Emphysem, zystische Fibroseälter, vorerkrankt — und deutlich gefährdeter
Traumatisch, geschlossenRippenfraktur verletzt die Pleura von innenstumpfes Thoraxtrauma
Traumatisch, offenVerletzung durch die Brustwand hindurchpenetrierendes Trauma
Iatrogennach ZVK-Anlage, Punktion, Beatmungim Krankenhaus entstanden

Der Unterschied zwischen primär und sekundär ist keine akademische Feinheit: Wer ohnehin nur eingeschränkt atmet, dekompensiert mit einem Pneumothorax viel schneller. Ein sekundärer Spontanpneumothorax bei COPD ist ein anderer Patient als ein primärer beim Zwanzigjährigen.

Warum Sauerstoff hier begrenzt hilft

Die kollabierte Lunge wird weiter durchblutet, aber nicht mehr belüftet — ein Shunt.

Sauerstoff verbessert den Gasaustausch nur in den noch belüfteten Abschnitten. Die Sättigung steigt, aber nicht so, wie man es erwarten würde.

Bleibt die Sättigung trotz hohem Sauerstofffluss schlecht, ist das kein Grund, mehr Sauerstoff zu geben, sondern ein Hinweis auf das Ausmaß.

Was noch dazugehört

Ein seitengleiches Atemgeräusch beweist nichts

Beim beidseitigen Pneumothorax ist es seitengleich — nämlich beidseits abgeschwächt.

Im lauten Umfeld, bei Adipositas und beim Hautemphysem ist die Auskultation ohnehin unzuverlässig.

Deshalb zählt das Gesamtbild: Atemnot, Perkussion, Hautemphysem, Beatmungsdruck, Kreislauf.

Selbsttest Gold

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum bleibt die Lunge normalerweise entfaltet, und was ändert sich beim Pneumothorax?Aufdecken
Weil im Pleuraspalt ein Unterdruck herrscht, der die elastische Lunge gegen ihre eigene Rückstellkraft an der Brustwand hält. Kommt Luft in den Spalt, gleicht sich der Druck an — die Lunge zieht sich zusammen wie ein losgelassener Ballon. Der betroffene Abschnitt wird nicht mehr belüftet, aber weiter durchblutet.
2 Warum steigt die Sättigung unter Sauerstoff weniger als erwartet?Aufdecken
Weil ein Rechts-links-Shunt entsteht: Die kollabierte Lunge wird weiter durchblutet, aber nicht mehr belüftet. Sauerstoff verbessert nur den Gasaustausch in den noch belüfteten Abschnitten. Man kann nicht oxygenieren, was nicht belüftet ist — eine schlechte Sättigung trotz hohem Fluss ist ein Hinweis auf das Ausmaß, kein Grund für noch mehr Sauerstoff.
3 Warum ist ein sekundärer Spontanpneumothorax gefährlicher als ein primärer?Aufdecken
Weil er auf dem Boden einer bestehenden Lungenerkrankung entsteht — COPD, Emphysem, zystische Fibrose. Diese Patienten haben ohnehin wenig Reserve; der Ausfall einer Lungenhälfte trifft sie ungleich härter und sie dekompensieren schneller. Der primäre Spontanpneumothorax trifft dagegen typischerweise einen jungen, sonst gesunden Menschen.
4 Der Patient hat ein seitengleiches Atemgeräusch. Ist ein Pneumothorax damit ausgeschlossen?Aufdecken
Nein. Bei einem beidseitigen Pneumothorax ist es seitengleich — beidseits abgeschwächt. Außerdem ist die Auskultation im lauten Umfeld, bei Adipositas und bei Hautemphysem unzuverlässig. Es zählt das Gesamtbild aus Atemnot, Perkussion, Hautemphysem, Beatmungsdruck und Kreislauf.
Gold erreicht

Du kannst den Mechanismus erklären und die Formen einordnen. Die Master-Stufe geht an die Entscheidung, wann drainiert wird, und an die Fallstricke der Versorgung.

Stufe Master

Die Entscheidung

Nicht jeder Pneumothorax braucht eine Drainage, und nicht jeder Verband hilft. Die Kunst liegt darin, den Übergang zum Spannungspneumothorax zu antizipieren, bevor er stattfindet.

Wann eine Entlastung nötig wird

SituationVorgehen
Spannungspneumothorax, jeder Verdachtsofortige Entlastung — nicht warten, siehe eigenes Kapitel
Beatmeter Patient mit gesichertem PneumothoraxDrainage vor oder unmittelbar nach Beatmungsbeginn erwägen — die Überdruckbeatmung treibt ihn
Ausgedehnter Pneumothorax mit SymptomenDrainage in der Klinik, präklinisch Überwachung
Kleiner, asymptomatischer Pneumothoraxoft konservativ — Klinikentscheidung
Langer Transport oder Lufttransportniedrigere Schwelle: mit sinkendem Umgebungsdruck dehnt sich die Luft aus

Die zweite und die letzte Zeile sind die präklinisch relevanten: Beatmung und Höhenflug sind beides Beschleuniger. Wer einen Patienten mit Pneumothorax intubiert oder in den Hubschrauber lädt, sollte den Fall vorher zu Ende gedacht haben.

Die Fehler bei der Versorgung

Der steckende Fremdkörper bleibt drin

Ein penetrierender Gegenstand in der Brustwand wird nicht entfernt, sondern in seiner Lage gepolstert und fixiert.

Er kann ein Gefäß tamponieren; das Herausziehen eröffnet die Blutung und kann zusätzlich Luft einströmen lassen.

Entfernt wird er unter kontrollierten Bedingungen im Krankenhaus.

Beim Transport

Die Sätze für den Unterricht

Der Unterschied zwischen harmlos und tödlich ist eine einzige Frage: Kann die Luft wieder heraus?

Drei Seiten kleben, eine offen lassen. Wer vier klebt, baut die gefährliche Form selbst.

Beatmung und Höhe treiben ihn. Wer beatmet oder fliegt, muss den Fall vorher zu Ende gedacht haben.

Und: Nach dem Verband ist vor der Kontrolle.

Selbsttest Master

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Nenne zwei präklinische Situationen, die einen einfachen Pneumothorax beschleunigen.Aufdecken
Überdruckbeatmung — sie presst Luft aktiv in den Thorax und kann einen harmlosen Pneumothorax innerhalb von Minuten in einen Spannungspneumothorax verwandeln. Und der Lufttransport: Mit sinkendem Umgebungsdruck dehnt sich die eingeschlossene Luft aus. Beide sind vorhersehbar — und damit planbar.
2 Ein Messer steckt in der Brustwand. Was machst du damit?Aufdecken
Drinlassen. Der Gegenstand wird in seiner Lage gepolstert und fixiert, nicht gezogen. Er kann ein Gefäß tamponieren — beim Herausziehen eröffnet sich die Blutung, und zusätzlich kann Luft einströmen. Entfernt wird er unter kontrollierten Bedingungen im Krankenhaus.
3 Du hast einen offenen Pneumothorax korrekt dreiseitig verbunden. Was kann trotzdem passieren?Aufdecken
Die offene Seite kann durch Blut, Sekret oder Verrutschen verstopfen — dann wirkt der Verband wie ein vierseitig verklebter und es entsteht doch ein Spannungspneumothorax. Deshalb ist der Verband keine abgeschlossene Maßnahme: Atemgeräusch, Beatmungsdruck und Kreislauf werden wiederholt kontrolliert.
4 Warum ist die Schwelle zur Drainage beim beatmeten Patienten niedriger?Aufdecken
Weil die Überdruckbeatmung den Pneumothorax treibt. Was beim spontan atmenden Patienten stabil bleiben würde, kann unter Beatmung rasch zum Spannungspneumothorax werden. Deshalb wird bei gesichertem Pneumothorax die Drainage vor oder unmittelbar nach Beatmungsbeginn erwogen — die Entscheidung ist ärztlich und richtet sich nach der lokalen SOP.
Master erreicht

Du kannst entscheiden, wann Überwachung genügt und wann nicht — und kennst die Fehler, die bei der Versorgung gemacht werden.

Wo es vorkommt

Pneumothorax im Einsatz

Quellen & Stand: AWMF S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung und ATLS — Versorgung des offenen Pneumothorax mit dreiseitig verklebtem Verband beziehungsweise Ventilpflaster, Belassen penetrierender Fremdkörper, Indikationsstellung zur Thoraxdrainage. Pathophysiologie und Einteilung nach Standardlehre der Notfall- und Thoraxmedizin. Stand Juli 2026, nächste Prüfung Juli 2027. Offen und in `content/_pruefmappe.md` eingetragen: die exakte Fundstelle für die Indikationsschwelle zur präklinischen Drainage beim beatmeten Patienten sowie die Vorgaben für den Lufttransport. AT/DE: Die Anlage einer Thoraxdrainage ist eine ärztliche Maßnahme; der Rahmen richtet sich nach NKV/NKI und lokaler SOP. Lern- und Lehrhilfe, kein Ersatz für lokale SOP und ärztliche Entscheidung.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.