Kalium am EKG
Ein Regler, eine Kurve. Schieb den Wert und sieh zu, wie sich die Zacken verformen — gezeltete T-Welle, verlorene P-Welle, breiter QRS, Sinuswelle. In dieser Reihenfolge, weil sie so entsteht.
Die EKG-Veränderungen korrelieren schlecht mit dem gemessenen Kaliumwert. Ein unauffälliges EKG schließt eine gefährliche Hyperkaliämie nicht aus — und umgekehrt können ausgeprägte Veränderungen schon bei mäßig erhöhten Werten auftreten. Entscheidend ist, wie schnell der Wert gestiegen ist, nicht nur wie hoch er steht.
Diese Seite zeigt den typischen Verlauf, damit man ihn wiedererkennt. Sie ist kein Messinstrument: Man kann aus dem EKG keinen Kaliumwert ablesen. Behandelt wird nach Labor, Klinik und Situation — nicht nach der Kurve.
Warum die Reihenfolge so ist
Kalium bestimmt das Ruhemembranpotenzial. Steigt es außen an, wird die Zelle weniger negativ — sie liegt näher an der Schwelle, repolarisiert aber schneller. Daraus folgt zuerst die hohe, schmale T-Welle: Die Repolarisation läuft rascher ab, der Ausschlag wird spitz.
Steigt es weiter, werden die Natriumkanäle zunehmend inaktiviert. Das empfindlichste Gewebe ist der Vorhof — deshalb verschwindet die P-Welle als Nächstes, während im Herzen weiter ein Rhythmus läuft. Erst danach trifft es die Kammererregung: Die Ausbreitung wird langsamer, der QRS breiter. Am Ende verschmelzen breiter QRS und T-Welle zur Sinuswelle — dem Zustand unmittelbar vor Kammerflimmern oder Asystolie.
Bei Hypokaliämie läuft es umgekehrt: Die Repolarisation zieht sich in die Länge, die T-Welle wird flach, und dahinter tritt die U-Welle hervor.
Was daraus für die Behandlung folgt, steht im Kapitel Elektrolytstörungen. Ein Satz gehört aber hierher: Kalzium stabilisiert die Membran, es senkt das Kalium nicht. Es kauft Zeit — die Senkung ist eine eigene Maßnahme.
Der Verlauf als Tabelle — ohne Grafik lesbar
| Orientierungswert | Was typischerweise auftritt |
|---|---|
| unter 3,0 | flache T-Welle, U-Welle tritt hervor, QT scheinbar verlängert |
| 3,5–5,0 | Normbereich, unauffällige Kurve |
| über 5,5 | hohe, schmale, zeltförmige T-Welle |
| über 6,5 | P-Welle flacht ab und verschwindet, PR verlängert sich |
| über 7,5 | QRS verbreitert sich |
| über 8,5 | Sinuswelle — unmittelbar vor Kammerflimmern oder Asystolie |
Orientierungswerte der klassischen Lehre. Sie gelten nicht als Grenzwerte für den einzelnen Patienten — siehe die Warnung oben.