STATUS3
EKG-Suite · Ursache und Wirkung

Kalium am EKG

Ein Regler, eine Kurve. Schieb den Wert und sieh zu, wie sich die Zacken verformen — gezeltete T-Welle, verlorene P-Welle, breiter QRS, Sinuswelle. In dieser Reihenfolge, weil sie so entsteht.

4,2 mmol/l Normbereich
2,03,55,06,58,09,5
Der wichtigste Satz auf dieser Seite

Die EKG-Veränderungen korrelieren schlecht mit dem gemessenen Kaliumwert. Ein unauffälliges EKG schließt eine gefährliche Hyperkaliämie nicht aus — und umgekehrt können ausgeprägte Veränderungen schon bei mäßig erhöhten Werten auftreten. Entscheidend ist, wie schnell der Wert gestiegen ist, nicht nur wie hoch er steht.

Diese Seite zeigt den typischen Verlauf, damit man ihn wiedererkennt. Sie ist kein Messinstrument: Man kann aus dem EKG keinen Kaliumwert ablesen. Behandelt wird nach Labor, Klinik und Situation — nicht nach der Kurve.

Warum die Reihenfolge so ist

Kalium bestimmt das Ruhemembranpotenzial. Steigt es außen an, wird die Zelle weniger negativ — sie liegt näher an der Schwelle, repolarisiert aber schneller. Daraus folgt zuerst die hohe, schmale T-Welle: Die Repolarisation läuft rascher ab, der Ausschlag wird spitz.

Steigt es weiter, werden die Natriumkanäle zunehmend inaktiviert. Das empfindlichste Gewebe ist der Vorhof — deshalb verschwindet die P-Welle als Nächstes, während im Herzen weiter ein Rhythmus läuft. Erst danach trifft es die Kammererregung: Die Ausbreitung wird langsamer, der QRS breiter. Am Ende verschmelzen breiter QRS und T-Welle zur Sinuswelle — dem Zustand unmittelbar vor Kammerflimmern oder Asystolie.

Bei Hypokaliämie läuft es umgekehrt: Die Repolarisation zieht sich in die Länge, die T-Welle wird flach, und dahinter tritt die U-Welle hervor.

Was daraus für die Behandlung folgt, steht im Kapitel Elektrolytstörungen. Ein Satz gehört aber hierher: Kalzium stabilisiert die Membran, es senkt das Kalium nicht. Es kauft Zeit — die Senkung ist eine eigene Maßnahme.

Der Verlauf als Tabelle — ohne Grafik lesbar
OrientierungswertWas typischerweise auftritt
unter 3,0flache T-Welle, U-Welle tritt hervor, QT scheinbar verlängert
3,5–5,0Normbereich, unauffällige Kurve
über 5,5hohe, schmale, zeltförmige T-Welle
über 6,5P-Welle flacht ab und verschwindet, PR verlängert sich
über 7,5QRS verbreitert sich
über 8,5Sinuswelle — unmittelbar vor Kammerflimmern oder Asystolie

Orientierungswerte der klassischen Lehre. Sie gelten nicht als Grenzwerte für den einzelnen Patienten — siehe die Warnung oben.

Schematische Darstellung, kein aufgezeichnetes EKG. Die Kurve ist gezeichnet, um den Zusammenhang zwischen Kaliumwert und Ausschlag zu zeigen. Aus dem EKG lässt sich kein Kaliumwert bestimmen. Diese Seite ersetzt keine Labordiagnostik, keine EKG-Befundung und keine ärztliche Entscheidung.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.