STATUS3 Medikament · Propofol
Positiv-allosterischer Modulator am GABAA-Rezeptor · reines intravenöses Hypnotikum

Propofol

Disoprivan und Generika · milchig-weiße Lipidemulsion, 200 mg / 20 ml (10 mg/ml)

Eine einzige Kausalkette trägt alles: Propofol verstärkt die Hemmung am GABAA-Rezeptor → tiefe, glatte Hypnose. Aber derselbe dämpfende Mechanismus trifft auch Gefäßtonus, Herz und Atemzentrum → Blutdruck fällt, Apnoe tritt ein. Wer diese Kette verstanden hat, leitet Wirkung, Dosis, Kontraindikationen und Gefahren daraus ab, ohne etwas auswendig zu lernen.

Fachlich noch nicht gegengeprüft

Die Werte auf dieser Seite wurden aus einem Master-Skript übertragen und stehen noch nicht gegen die Leitlinie geprüft. Sie sind zum Lernen gedacht, nicht zur Anwendung am Patienten. Vor jeder Anwendung Fachinformation und lokale SOP prüfen.

10 mg/ml
Konzentration
1,5–2,5 mg/kg
Einleitung i.v.
30–45 s
Wirkeintritt
5–10 min
Wirkdauer Einzelbolus
keines
Antidot
Wie gut kennst du Propofol?

Die Stufe beschreibt nicht den Text, sondern dich. Wähle, wo du stehst — und verdien dir die nächste, indem du die Fragen aus dem Kopf beantwortest. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert, es wird nichts übertragen.

Stufe Silber

Die Karte

Propofol ist ein reines Schlafmittel ohne jede analgetische Wirkung. Der Patient schläft tief, spürt aber den Schmerz des Laryngoskops sehr wohl. Daraus folgt die eiserne Regel dieser Substanz.

Propofol nimmt den Druck mit. Für den Stabilen — eine Gefahr für den Instabilen. Und nie ohne Analgetikum.
Rein hypnotisch — keine Analgesie

Eine Mono-Einleitung ohne Opioid bedeutet: bewusstlos, aber nicht schmerzgedämpft → massive Stressantwort bei der Intubation.

Die nozizeptive Reizantwort — Blutdruck- und Frequenzanstieg, Abwehr — bleibt vollständig erhalten.

Immer mit einem Analgetikum kombinieren: Opioid wie Fentanyl, oder Ketamin.

Dosierung Erwachsene

Einleitung i.v.
1,5–2,5 mg/kg, langsam bis zum Wirkeintritt titrieren
Beispiel 75 kg
ca. 110–185 mg
Alt oder grenzwertig stabil
Dosis halbieren: 0,5–1,5 mg/kg, besonders langsam
Sedierung
0,5–1 mg/kg titriert
TIVA-Perfusor
1–4 mg/kg/h

Wo es in der Sequenz steht

Beatmungsbereitschaft ist Pflicht. Die Apnoe nach Einleitung ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Beim instabilen Patienten

Beim hypovolämen, septischen oder kreislaufinstabilen Patienten ist Propofol relativ kontraindiziert — ein Blutdruckabfall bis 40 % ist beschrieben.

In dieser Lage Esketamin bevorzugen.

Wenn Propofol unvermeidbar ist: Volumen und Vasopressor bereithalten, Dosis deutlich reduzieren.

Das Gegensatzpaar

Propofol und Thiopental senken den Druck → für den Stabilen.

Ketamin und Esketamin halten oder heben den Druck → für den Instabilen.

Beim grenzwertigen Kreislauf Dosis halbieren und langsam titrieren — oder gleich wechseln.

Selbsttest Silber

0 von 3

Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum darf Propofol nie als alleinige Narkose zur Intubation gegeben werden?Aufdecken
Weil es rein hypnotisch wirkt und keinerlei Analgesie hat. Der Patient ist bewusstlos, aber die nozizeptive Reizantwort auf das Laryngoskop bleibt vollständig: Blutdruck- und Frequenzanstieg, Abwehr. Deshalb immer mit einem Opioid oder Ketamin kombinieren.
2 Bei welchen Patienten halbierst du die Dosis — und warum?Aufdecken
Bei alten und bei grenzwertig stabilen Patienten: 0,5–1,5 mg/kg statt 1,5–2,5 mg/kg, und besonders langsam. Grund ist die ausgeprägte Kreislaufdepression — wer seinen Blutdruck ohnehin nur über erhöhten Sympathikotonus hält, kann bei normaler Dosis kollabieren.
3 Welche Frage musst du vor jeder Propofolgabe stellen?Aufdecken
Die Allergiefrage. Die Trägeremulsion enthält Sojaöl und Eilecithin — bei Soja-, Erdnuss- oder Ei-Allergie besteht ein Allergierisiko. Das ist die Besonderheit, die man bei einem so alltäglichen Medikament leicht überspringt.
Silber erreicht

Du kennst Dosis, Reihenfolge und die zwei Regeln, die zählen. Die nächste Stufe erklärt, warum derselbe Mechanismus den Schlaf bringt und den Kreislauf nimmt.

Stufe Gold

Warum es wirkt

Der GABAA-Rezeptor ist ein Chloridkanal und der wichtigste hemmende Schalter im Zentralnervensystem. Propofol zieht an dieser Bremse — und die Bremse wirkt nicht nur im Kortex.

GABA und das hemmende System

Bindet der körpereigene Botenstoff GABA an den GABAA-Rezeptor, öffnet sich der Kanal, Chlorid strömt in die Zelle, das Membranpotenzial wird negativer — Hyperpolarisation — und das Neuron feuert schwerer. Verstärkt man dieses System, entstehen Sedierung, Hypnose, Anxiolyse und Krampfschutz.

Drei Substanzgruppen, eine Bremse

Benzodiazepine (eigene Bindungsstelle), Barbiturate (Barbiturat-Stelle) und Propofol greifen alle am GABAA-Rezeptor an — aber an verschiedenen Stellen.

Genau deshalb potenzieren sie sich gegenseitig. Das ist die wichtigste pharmakologische Falle bei Kombination mit Benzodiazepinen, Opioiden oder Alkohol.

Sedierung und Atemdepression addieren sich nicht — sie verstärken sich.

Positiv-allosterische Verstärkung

Propofol öffnet den Kanal nicht selbst, sondern macht ihn empfindlicher für GABA. In höherer Konzentration kann es den Kanal sogar direkt öffnen. Die Kette: Propofol bindet allosterisch → der Chloridkanal öffnet länger und häufiger → vermehrter Chlorideinstrom → Hyperpolarisation → Hemmung → Hypnose.

Warum derselbe Mechanismus den Kreislauf nimmt

Die GABA-Verstärkung bleibt nicht im Kortex. Propofol dämpft auch die zentrale und periphere Kreislaufregulation — über drei gleichzeitige Angriffspunkte:

AngriffspunktMechanismusEffekt
Gefäße, arteriell und venösVasodilatation, SympathikolyseVorlast ↓ und Nachlast ↓ → RR ↓↓
Herznegativ inotropAuswurfleistung ↓
Baroreflex und Sympathikuszentrale DämpfungReflextachykardie bleibt aus → eher Bradykardie
AtemzentrumDämpfung des AtemantriebsAtemdepression bis Apnoe — regelhaft

Beim normovolämen, herzgesunden Patienten ist das beherrschbar. Beim hypovolämen, septischen oder herzinsuffizienten Patienten — der seinen Blutdruck ohnehin nur über erhöhten Sympathikotonus hält — kann eine normale Dosis den Kreislauf kollabieren lassen.

Die Alternativen, nach dem Kreislauf sortiert

SubstanzKreislaufDomäne und Besonderheit
PropofolRR ↓↓glatte Narkose, gut steuerbar — der Stabile; keine Analgesie
Ketamin / EsketaminRR → oder ↑Analgesie und Bronchodilatation — der Instabile
ThiopentalRR ↓↓Barbiturat, hirndrucksenkend — Eklampsie, Status; kontraindiziert bei Porphyrie
EtomidatRR → (stabil)kreislaufneutral — der Kardiale; cave Nebennierenrindensuppression

Der klinische Kern: Die Wahl des Hypnotikums richtet sich nach dem Kreislauf, nicht nach Gewohnheit.

Selbsttest Gold

0 von 4

Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Erkläre die Kette von der Bindung bis zur Hypnose.Aufdecken
Propofol bindet allosterisch am GABAA-Rezeptor → der Chloridkanal öffnet länger und häufiger → vermehrter Chlorideinstrom → Hyperpolarisation → das Neuron feuert schwerer → Hemmung → Hypnose. Propofol öffnet den Kanal nicht selbst, es macht ihn empfindlicher für GABA.
2 Warum potenzieren sich Propofol und Benzodiazepine, statt sich nur zu addieren?Aufdecken
Weil sie an verschiedenen Stellen desselben Rezeptors angreifen: Benzodiazepine an einer eigenen Bindungsstelle, Propofol allosterisch, Barbiturate an der Barbiturat-Stelle. Jede Substanz erhöht die Wirkung der anderen am selben Kanal. Deshalb ist die Kombination mit Benzodiazepinen, Opioiden oder Alkohol die wichtigste pharmakologische Falle.
3 Über welche drei Angriffspunkte senkt Propofol den Blutdruck?Aufdecken
Gefäße — Vasodilatation und Sympathikolyse senken Vor- und Nachlast. Herz — negativ inotrope Wirkung senkt die Auswurfleistung. Baroreflex — die zentrale Dämpfung verhindert die kompensatorische Reflextachykardie, es kommt eher zur Bradykardie. Alle drei wirken gleichzeitig, deshalb der ausgeprägte Abfall.
4 Warum ist Propofol trotz kurzer Wirkdauer so gut als Dauerinfusion geeignet?Aufdecken
Weil die kurze Wirkdauer eines Bolus nicht auf Abbau beruht, sondern auf Umverteilung aus dem Gehirn in Muskel und Fett — und weil der tatsächliche Abbau hepatisch und extrahepatisch sehr rasch erfolgt (hohe Clearance). Bei kurzer Anwendung kumuliert es kaum, was eine gut steuerbare TIVA ermöglicht.
Gold erreicht

Du kannst Hypnose und Kreislaufeinbruch aus demselben Mechanismus herleiten. Die Master-Stufe geht an die Kinetik, das Infusionssyndrom und die Frage nach dem fehlenden Antidot.

Stufe Master

Bis zum Chloridkanal

Propofol ist extrem lipophil. Aus dieser einen Eigenschaft erklärt sich sein gesamter Zeitverlauf — und die Falle, die bei langer Infusion darin steckt.

Pharmakokinetik

Wirkeintritt
≈ 30–45 s — eine Arm-Hirn-Kreislaufzeit
Wirkdauer Einzelbolus
5–10 min
Grund der kurzen Wirkung
Umverteilung aus dem Gehirn in Muskel und Fett, nicht Abbau
Abbau
hepatisch und extrahepatisch, sehr rasch (hohe Clearance)
Kumulation
kaum bei kurzer Anwendung

Bei langer, hochdosierter Infusion kann die Aufwachzeit dennoch ansteigen — die Gewebespeicher sind dann gesättigt und die Umverteilung greift nicht mehr.

Nebenwirkungen — aus dem Mechanismus abgeleitet

Propofol-Infusionssyndrom (PRIS)

Bei hoher Dosis und langer Infusion — Faustregel über 4 mg/kg/h länger als 48 Stunden — drohen metabolische Azidose, Rhabdomyolyse, Hyperkaliämie und Herzversagen. Potenziell tödlich.

Besonders gefährdet sind Kinder — die Langzeitsedierung ist bei ihnen deshalb kontraindiziert — und kritisch Kranke.

Triglyceridanstieg überwachen, Dosis und Dauer begrenzen.

Weitere Anwendungen

Der Satz für den Unterricht

Propofol hat kein Antidot. Anders als beim Benzodiazepin (Flumazenil) oder beim Opioid (Naloxon) gibt es nichts, was die Wirkung aufhebt.

Man kann eine Überdosierung nur aussitzen und überbrücken: beatmen, Volumen, Vasopressor.

Deshalb ist beim Propofol die Dosierung selbst die Sicherheitsmaßnahme — langsam titrieren, beim Alten halbieren.

Selbsttest Master

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Erst denken, dann aufdecken. Nur was du aus dem Kopf beantwortest, zählt.

1 Warum endet die Wirkung eines Propofolbolus nach 5–10 Minuten, obwohl die Substanz noch im Körper ist?Aufdecken
Weil die Wirkung durch Umverteilung endet, nicht durch Abbau. Propofol ist extrem lipophil und verlässt das Gehirn rasch in Richtung Muskel und Fett. Bei langer, hochdosierter Infusion sind diese Speicher gesättigt — dann greift die Umverteilung nicht mehr und die Aufwachzeit steigt deutlich an.
2 Was ist das Propofol-Infusionssyndrom und wer ist gefährdet?Aufdecken
Bei hoher Dosis über lange Zeit — Faustregel über 4 mg/kg/h länger als 48 Stunden — drohen metabolische Azidose, Rhabdomyolyse, Hyperkaliämie und Herzversagen. Potenziell tödlich. Besonders gefährdet sind Kinder, bei denen die Langzeitsedierung deshalb kontraindiziert ist, und kritisch Kranke.
3 Was tust du bei einer Propofol-Überdosierung?Aufdecken
Es gibt kein Antidot. Man kann nur überbrücken: beatmen, Volumen geben, Vasopressor. Anders als beim Benzodiazepin mit Flumazenil oder beim Opioid mit Naloxon lässt sich hier nichts umkehren. Deshalb ist die vorsichtige Dosierung selbst die Sicherheitsmaßnahme.
4 Warum wird Propofol im Krankenhaus beim Status epilepticus eingesetzt, präklinisch aber nicht?Aufdecken
Weil Propofol über die GABA-Verstärkung antikonvulsiv wirkt — das macht es im Intensivsetting beim therapierefraktären Status zu einer Option. Präklinisch fehlen jedoch Beatmung und Kreislaufunterstützung in der nötigen Verlässlichkeit; dort sind Benzodiazepine erste Wahl.
Master erreicht

Du kennst Propofol bis zum Chloridkanal und kannst begründen, warum die Dosierung hier die einzige Sicherheitsmaßnahme ist.

Wo es vorkommt

Propofol im Einsatz

Quellen & Stand: Übertragen aus dem Master-Skript Propofol (Tigi Fazliu, Stand 2025/26). Dort orientiert an der DGAI-/AWMF-Handlungsempfehlung „Prähospitale Notfallnarkose beim Erwachsenen“ und der S3-Leitlinie Polytrauma; Dosis-Richtwerte nach ÖRK-Arzneimittelliste und PAX-Kompendium, Region Österreich. Übertragung ins Datenformat am 28.07.2026 — fachlich noch nicht gegengeprüft. Lern- und Lehrhilfe, kein Ersatz für lokale SOP, Fachinformation und ärztliche Entscheidung. Dosierungen vor jeder Anwendung prüfen.
Wichtiger Hinweis: STATUS3 dient der Aus- und Fortbildung und ist keine verbindliche Handlungsanweisung. Maßgeblich sind die aktuelle Leitlinie, die ärztliche Anordnung und die gültige lokale SOP. Dosierungen und Algorithmen sind vor jeder Anwendung zu prüfen. Die Nutzung erfolgt in eigener fachlicher Verantwortung. Stand dieses Kapitels: Juli 2026.